Nach
vier Jahren
Aufenthalt
in Peking,
in denen
viel passiert
ist, ich
viel erfahren
und viel
dazu gelernt
habe,
steht
eine erneute
Versetzung
ins Haus.
Mein Traumposten
ist Wirklichkeit
geworden.
Im Dezember
2000 erhalte
ich Nachricht
darüber,
daß
man mich
im August
2001 nach
New York
versetzen
wird.
Im Februar
2001 wird
dies auch
schriftlich
bestätigt
und ich
freue
mich wie
ein Eisbär
bei Schneefall.
Die Zeit
in Peking
war nicht
immer
leicht,
ich mußte
lernen,
erwachsen
zu werden,
mit Problemen
fertig
zu werden,
ohne die
schützende
Hand der
Familie
über
mir zu
wissen
und neuartige
Probleme,
von denen
man in
Deutschland
nichts
geahnt
hat, bewältigen.
Ich war
an den
Erfahrungen
gewachsen,
war selbstsicherer,
mutiger
und unerschrockener
als vor
vier Jahren
bei der
ersten
Versetzung.
Und ich
war molliger.
Ja, die
Voraussagen
über
den Dienstposten
Peking,
an dem
das Essen
so gut
ist,
daß
nur wenige
dort wieder
ohne Gewichtszunahme
fortgehen,
stimmte
bei mir
hundertprozentig.
Ich konnte
dem besten,
was Peking
zu bieten
hatte,
dem Essen,
nicht
widerstehen.
Unsere
häufigste
Freizeitbeschäftigung
war Essen
gewesen
und das
war nicht
spurlos
an mir
vorübergegangen.
Aber dennoch
tat das
meinem
gewonnen
Selbstvertrauen
keinen
Abbruch
und so
machte
ich mich
auf zu
neuen
Ufern,
in die
USA.
Jimmy,
meinen
kleinen
chinesischen
Kater,
brachte
ich bereits
Anfang
Juli zu
meinen
Eltern
nach Deutschland,
ihm wollte
ich die
Packer
und das
Möbelgerücke
ersparen.
Wir flogen
non-stop
nach Frankfurt,
wurden
dort von
meinen
Eltern
abgeholt
und ich
verbrachte
6 Wochen
Urlaub
in Deutschland.
Während
der Zeit
besuchte
ich auch
Freunde
und ein
Seminar
im Mutterhaus
des Auswärtigen
Amtes
in Berlin.
Für
mich war
das völlig
neu, denn
als ich
nach Peking
versetzt
wurde,
war der
Regierungssitz
Deutschlands
noch in
Bonn gewesen.
Nun, vier
Jahre
später,
war die
Regierung
nach Berlin
umgezogen,
und alle
sahen
es als
selbstverständlich
an, daß
ich nun
auch nach
Berlin
gehöre.
Doch während
meines
Aufenthaltes
in Berlin,
muß
ich ehrlich
zugeben,
daß
ich es
eher genauso
wie einen
Posten
irgendwo
auf der
Welt betrachtet
habe,
nicht
wie "zu
Hause".
Sicher,
Berlin
ist in
Deutschland
und es
hat auch
einen
Charme,
ist eine
interessante
Stadt
mit atemberaubend
schneller
Entwicklung,
aber zu
Hause?
Nein,
mein zu
Hause
ist und
bleibt
im Rheinland,
da wo
meine
Wurzeln,
meine
Eltern,
meine
Familie
und die
meisten
meiner
Freunde
sind.
Anfang
August
flog ich
von Deutschland
aus für
einige
Tage nach
New York,
um dort
auf Wohnungssuche
zu gehen.
Ich wurde
bereits
nach einem
Tag fündig
und mietete
eine Wohnung
auf der
52. Straße
an der
1. Avenue
im 21.
Stock
an. Der
Blick
geht hinaus
über
den Eastriver
nach Brooklyn
und Downtown
Manhattan.
Ich lernte
bereits
einige
Kollegen
kennen
und machte
mich mit
der Tatsache
bekannt,
daß
hier in
New York
drei deutsche
Vertretungen
unter
einem
Dach weilen.
Zum einen
ist hier
die Deutsche
Vertretung
bei den
Vereinten
Nationen
untergebracht,
desweiteren
das Deutsche
Informationszentrum,
eine Zweigstelle
der Presseabteilung
der Botschaft
Washington
und das
Deutsche
Generalkonsulat.
Ich sollte
im Generalkonsulat
arbeiten.
Nachdem
ich die
Wohnung
angemietet
und alle
Formalitäten
erledigt
hatte,
hatte
ich noch
einen
ganzen
Tag Zeit
in New
York,
den ich
ohne
Verpflichtungen
verbringen
konnte,
bevor
ich nach
Deutschland
zurückfliegen
mußte.
Ich genoß
es und
freute
mich auf
die bevorstehende
Zeit hier
im Big
Apple.
Ich war
bereits
im Jahr
1995 einmal
zu Besuch
in New
York gewesen
und war
so begeistert
von der
Stadt
gewesen,
daß
sie immer
als eine
Art heimliches
Traumziel
als Posten
in meinem
Hinterkopf
herumgeisterte.
Daß
es so
schnell
wahr werden
würde,
hätte
ich im
Leben
nicht
geglaubt!
Und jetzt
saß
ich hier
und bereitete
meinen
endgültigen
Umzug
hierher
vor. Ich
fühlte
mich wie
im siebten
Himmel!
Zurück
in Deutschland
hatte
ich nur
noch wenige
Tage,
bevor
ich wieder
nach Peking
zurückflog,
um dort
meine
sieben
Sachen
zu packen.
Ich hatte
nur noch
8 Tage
in Peking
und diese
waren
vollgestopft
mit Möbelpacken,
letzten
Anschaffungen,
Abschieden
von Kollegen
und Freunden
und Arbeit.
Ich wollte
einen
aufgeräumten
Arbeitsplatz
hinterlassen
und gleichzeitig
lief mir
die Zeit
davon.
Ich hatte
kaum Zeit
darüber
nachzudenken,
daß
ich nun
Peking
endgültig
den Rücken
kehren
würde,
der Stadt,
die ich
vier Jahre
lang mein
zu Hause
nannte.
Ich war
nicht
ausschließlich
glücklich
hier gewesen,
aber dennoch
wächst
einem
alles
ans Herz
und in
einer
ruhigen
Stunde
wird man
schwermütig,
wenn man
daran
denkt,
daß
man das
alles
nun nicht
mehr haben
würde.
Doch der
Reiz des
Neuen
war stärker
als die
Trauer
und so
verabschiedete
ich mich
von Peking
und seinen
Menschen
mit mehr
lachenden
als weinenden
Augen!
Am 28.
August
2001 bestieg
ich das
Flugzeug,
das mich
über
Detroit
direkt
nach New
York bringen
würde.
Die erste
Woche
verging
wie im
Trance,
ich hatte
das Gefühl,
daß
das Flugzeug
mich körperlich
zwar schon
nach New
York gebracht
hatte,
aber geistig
war ich
noch auf
halben
Wege zwischen
Peking
und New
York.
Ich wohnte
im Hotel,
bekam
eine riesige
Erkältung
und schleppte
mich durch
einen
Schleier
der Wahrnehmungen.
Meine
Sinne
waren
reizüberflutet,
ich sehnte
mich langsam
nach etwas
Entspannung.
Am
9. September
2001 besuchte
ich mit
einer
neuen
Kollegin
zusammen
das World
Trade
Center.
Wir bestaunten
den Ausblick,
genossen
die spätsommerliche
Wärme
und träumten
davon,
wenn wir
nach vier
Jahren
unseren
Abschied
hier feiern
würden,
dies im
Restaurant
Windows
on the
World
im 106.
Stock
des Tower
2 zu tun.
Doch dieser
Gedanke
wurde
zwei Tage
darauf
jäh
zerschlagen:
Ich saß
in meinem
Büro
und versuchte
mich,
in meine
Arbeit
einzuarbeiten.
Es galt
Termine
zu vereinbaren
und alte
Akten
durchzusehen.
Meine
Kollegin,
Claudia,
mit der
ich am
Wochenende
noch auf
dem World
Trade
Center
gewesen
war, kam
zu mir
und sagte,
es sei
ein Flugzeug
in das
World
Trade
Center
geflogen.
Ich begriff
erst nicht,
was sie
meinte
und sagte,
dies sei
im Empire
State
Building
mal passiert.
Tatsächlich
ist dort
vor Jahren
ein kleines
Sportflugzeug
hineingeflogen
und ich
glaubte,
sie beziehe
sich auf
ein bereits
geschehenes
Event.
Nein,
insistierte
sie, jetzt
gerade,
in diesem
Moment,
der Fernseher
liefe
beim Generalkonsul
im Zimmer,
dort könnte
ich es
selbst
sehen.
Ich ging
in Richtung
des Fernsehers,
immer
noch ungläubig
und in
der Erwartung,
höchstens
einen
betrunkenen
Piloten
einer
Einmannmaschine
vorgeführt
zu bekommen.
Doch als
wir dann
alle gemeinsam
geschockt
auf den
Bildschirm
starrten,
als das
zweite
Flugzeug
in den
noch unversehrten
Turm des
WTC einschlug,
glaubte
auch ich
nicht
mehr an
Betrunkene
am Flugsteuer.
Wir starrten
alle ungläubig
auf den
Bildschirm.
Mir war,
als wäre
das alles
ein Film,
ein schlechter
Scherz
der Filmindustrie,
die uns
vorgaukelte,
daß
Dinge,
die so
schrecklich
sich nur
jemand
Hollywood
ausdenken
könnte,
tatsächlich
geschähen.
Ich wartete
darauf,
daß
irgendwann
einer
sagen
würde,
April,
April,
das war
nur ein
Film.
Eine Übung
für
den Notfall.
Aber es
war DER
Notfall.
Auf der
Straße
hörten
wir nur
noch Sirenen,
die 1.
Avenue
wurde
abgesperrt,
nichts
ging mehr.
Die Telefonverbindungen
brachen
zusammen
in dem
Moment,
als der
erste
Turm zusammenbrach
und mit
ihm die
Antenne
für
die meisten
Telefonverbindungen
Manhattans.
Ich schrieb
eine Mail
an meine
Eltern
über
das amtliche
Telefonnetz
der Vertretung.
Zum Glück
erreichte
diese
Mail sie
so früh,
daß
sie ohne
sich lange
sorgen
zu müssen
recht
früh
Bescheid
wußten,
daß
mit mir
alles
in Ordnung
war.
Unwillig
entfernten
wir uns
nach einiger
Zeit von
dem Fernsehbildschirm,
die Bilder
waren
schrecklich,
wollten
einen
nicht
los lassen,
aber es
brachte
nichts,
sich die
ganze
Zeit das
Elend
anzusehen.
Ich ging
in mein
Büro
und versuchte,
einige
Termine,
die ich
für
diesen
Tag für
meinen
Chef ausgemacht
hatte,
zu canceln.
Eigentlich
eine überflüssige
Tätigkeit,
denn wer
in Manhattan
hätte
an einem
solchen
Tag wohl
noch auf
ein Geschäftsessen
mit einem
Diplomaten
des Generalkonsulats
gewartet?
Doch die
Arbeit
gab mir
das Gefühl,
etwas
tun zu
können.
Dann wurden
Nachtschichten
für
den Notdienst
eingeteilt.
Das Generalkonsulat
arbeitete
rund um
die Uhr,
um die
eingehenden
Telefonate
und Anfragen
nach Angehörigen
zu bearbeiten.
Listen
mit vermißt
gemeldeten
Personen
wurden
erstellt,
mußten
geführt
werden
und bearbeitet.
Zum Glück
konnten
die meisten
Menschen,
die auf
dieser
Liste
gesucht
wurden,
nach einiger
Zeit aufgespürt
und die
Verwandten
in Deutschland
beruhigt
werden.
So verging
die erste
Woche
mit arbeiten,
schlafen,
essen,
arbeiten.
Keiner
beschwerte
sich über
die Mehrarbeit
und jeder
war froh,
etwas
zu tun
zu haben,
tätig
sein zu
können
und nicht
nur tatenlos
rumzusitzen
und dem
Grauen
zuzusehen.
In den
Tagen
nach dem
Einsturz
des Gebäudes
wehte
der Wind
von Süden
den strengen
Geruch
von brennenden
Trümmern
zu uns
herauf.
Der Abstand
zu Ground
Zero war
zwar groß
genug,
daß
wir nichts
sehen
konnten,
aber riechen
konnte
man es.
Und die
Stimmung
in New
York war
gespenstisch.
Wenn Gespräche
geführt
wurden,
dann drehten
sie sich
nur um
das eine
Thema.
Jeder
kannte
irgendjemanden,
der dort
arbeitete
oder zufällig
dort war
oder war
- wie
ich -
erst vor
kurzem
noch selbst
dort gewesen.
In
der Stadt
- und
in der
ganzen
Nation
- wuchs
der Patriotismus
der Amerikaner
an und
überall
sah man
plötzlich
die amerikanische
Flagge
noch häufiger
als zuvor
schon.
Nahezu
jedes
Haus,
jedes
Auto,
jedes
Fenster
wurde
mit der
Flagge
geschmückt,
um Solidarität
gegenüber
der Opfer
und Stärke
gegenüber
der Terroristen
zu zeigen.
Sogar
Hunden
wurde
die Flagge
umgebunden
und Kindern
Kleidung
mit Flaggenaufdrucken
angezogen.
Massenweise
strömten
die Menschen
Downtown,
um dort
die Helfer
bei den
Bergungsarbeiten
zu unterstützen
oder sie
zumindest
anzuspornen
und ihnen
Mut zu
geben.
Die Stadt
lag still
und hielt
den Atem
an.
Ich selbst,
die ich
mich mitten
im Umzug
befand,
erst zwei
Tage vor
dem Anschlag
war ich
vom Hotelzimmer
in meine
Wohnung
auf eine
Luftmatratze
gezogen,
hatte
vor allem
ein Problem.
Mein Telefonanschluß
war noch
nicht
freigeschaltet
in der
Wohnung
und so
war ich
dort nicht
erreichbar.
Die Telefongesellschaft
hatte
nun andere
Sorgen,
als meine
Leitung
freizuschalten.
Ich besorgte
mir ein
Mobiltelefon,
damit
ich, sollte
noch mehr
geschehen,
zumindest
erreichbar
sein würde.
So fühlte
ich mich
sicherer
und es
ergriff
mich eine
eigenartige
selbstsüchtige
Angst
davor,
daß
meine
Versetzung
nach New
York vom
Traumposten
zum Alptraumposten
werden
würde,
jetzt,
da hier
der Kriegszustand
ausgebrochen
war. Ich
baute
meinen
Schutzmechanismus
vor dem
Terror
dadurch
auf, daß
ich nur
meinen
persönlichen
kleinen
Verlust
fokussierte,
so konnte
mich der
große
Horror
all der
Toten,
der Opfer
und des
Leides
nicht
so treffen.
Man mag
es selbstsüchtig
nennen,
aber es
war mein
Motor,
der alles
am Laufen
hielt.
Dann begann
die Zeit,
wo Anthrax
Amerika
bedrohte.
Doch diese
Angst
war zu
global
für
mich.
Die Chance,
einen
dieser
Briefe
in die
Hände
zu bekommen,
war genauso
hoch oder
geringer,
als bei
einem
Verkehrsunfall
ums Leben
zu kommen.
Ging ich
deshalb
nicht
mehr auf
die Straße?
Sollte
ich deshalb
meine
Post nur
noch vermummt
öffnen?
Beim Flugzeugabsturz
in den
Rockaways,
kurz vor
Manhattan,
glaubte
ich -
wie wohl
fast jeder
- kurz
daran,
daß
es wieder
losgehen
würde.
Gerade
war der
Bundespräsident
zu Besuch
in Manhattan
und ich
war im
Delegationsbüro
im Hotel
The Mark,
wo wir
eigentlich
den Tag
von Bundespräsident
Rau koordinieren
sollten.
Alles,
was dann
geschah,
warf natürlich
sämtliche
Pläne
über
den Haufen.
Zwei Tage
zuvor
waren
auch meine
Möbel
endlich
angekommen
und in
meiner
Wohnung
stapelten
sich Kartons
und Kisten,
die ausgepackt
werden
wollten.
Und so
hatte
ich wieder
soviel
zu tun,
daß
ich kaum
Zeit hatte,
darüber
nachzudenken
oder Angst
zu bekommen.
Ein makaberer
Satz fing
an, normal
zu klingen:
Zum Glück
war es
"nur
ein Flugzeugabsturz".
Um die
Weihnachtszeit
hatte
sich die
Lage soweit
wieder
beruhigt,
daß
ich es
für
sicher
genug
erachtete,
Jimmy,
meinen
Kater,
bei meinen
Eltern
abzuholen
und ihn
nach New
York zu
holen.
Er hatte
sich prima
bei meinen
Eltern
eingelebt
und dies
tat er
dann auch
wieder,
als wir
nach einem
recht
stressfreien
Flug in
New York
ankamen.
Die Kontrollen
an den
Flughäfen
waren
größer
als früher,
aber ansonsten
war alles
routinemäßig
und professionell
abgelaufen.
Mit dem
Neuen
Jahr konnten
wir auch
neue Hoffnung
auf ein
besseres
2002 schöpfen.
Dies habe
ich und
wohl auch
die meisten
New Yorker
getan
und ich
genieße
meinen
Aufenthalt
hier -
nicht
ungetrübt
-, aber
immerhin.
Ich genieße
die Tatsache,
in einem
Land zu
sein,
in dem
ich die
Sprache
spreche,
einem
Land,
wo ich
nicht
als einzige
unter
Millionen
auffalle
wegen
meiner
hellen
Haut und
der langen
Nase und
in einem
Land,
wo Kultur
zwar nicht
so alt
ist wie
in China,
aber darum
in den
Ohren
eines
Europäers
auch nicht
alles
wie Katzengejammer
klingt.
Ich besuche
Musicals,
Broadwayshows,
Opern,
gehe ins
Kino und
genieße,
was es
zu genießen
gibt.
Vielleicht
sogar
intensiver
als früher.
