Maine und Newhampshire, 5. bis 8. August

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New England
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Am nächsten Tag sollte die Fahrt weitergehen in Richtung Bangor, Maine, der Heimatstadt von Stephen King. Vorher wollten wir aber noch einen kurzen Halt in Salem, Massachussetts machen. Hier gibt es ein Museum über Hexen, denn im 17. Jahrhundert gab es hier ein paar Teenager, die ihre Dorfmitbewohner soweit brachten, daß insgesamt 20 Menschen als angebliche Hexen exekutiert wurden.

Das Hexenmuseum
Das Hexenmuseum

In Maine war Bangor als Stadt an sich dann eine ziemliche Enttäuschung. Es ist weder schön noch kulturell besonders reizend und man kommt sich wirklich vor wie in einem der abgelensten Winkel der Erde. Man kann sich gut vorstellen, daß Leute, die hier geboren wurden – wenn sie nicht gerade Stephen King heißen – nie aus dem Ort rauskommen... Und wie ein Autor wie King auf solche Horrorgeschichten kommen kann...

Leider habe ich erst wieder zu Hause angekommen die Idee gehabt, die Adresse von Stephen King im Internet zu suchen, wo ich auch fündig wurde (47 West Broadway, Bangor, Maine, 04401, USA), so fanden wir nur heraus, daß er in der Straße West Broadway wohnt, aber nicht, welches Haus das seine ist. Natürlich haben wir reichlich spekuliert, welches Haus wohl am gruseligsten aussieht und für den Autor „angemessen“ wäre...

Abends hat Vera dann zwei Lobster zerlegt, hier das Beweisfoto, das leider wegen der schlechten Beleuchtung in dem Restaurant etwas dunkel geraten ist:

Vera beim Lobsterkampf

Wir haben recht schnell entschieden, daß wir uns in Bangor selbst nicht lange aufhalten müssen, sondern daß wir lieber Tagestouren in Richtung Acadia Nationalpark machen.

Wir fuhren also am nächsten Tag los und unser erstes Ziel stellte sich später auch als das schönste heraus: Deer Isle. Die Fahrt war wunderschön und die Landschaft ein echter Genuß. In Stonington aßen wir etwas, während wir auf einer Terasse saßen, die ins Meer hinaus ragte und ich wäre ohne zu zögern noch geblieben (so ein, zwei, drei Jahre...).

Von der Deer Isle aus fuhren wir nach Bar Harbor, dem bekanntesten touristischen Ort des Acadia Nationalparks. Hier erinnerte mich alles mehr an einen Besuch in einem deutschen Touristenort an der Ahr oder Mosel; Menschenmassen zwängen sich durch die Straßen auf der Jagd nach dem ultimativen Souvenir, die es in den überzähligen Souvenirläden zu kaufen gibt. Zu viele Menschen, zu viele Touristen und zuviel Gewimmel für meinen Geschmack! Also nichts wie weiter. Wir fuhren eine Tour durch den Nationalpark, der in unserer Karte als „landschaftlich sehenswert“ ausgeschildert war und wurden auch nicht enttäuscht. Nach der langen Zeit, die ich jetzt im Großstadtdschungel New York verbracht habe, tat soviel Natur wieder mal richtiggehend der Seele gut!

Ein kleiner Wehrmutstropfen an dieser Tagestour war der Stein, der plötzlich aus dem Nichts auftauchte – vor uns war kein Auto, wir fuhren nicht sonderlich schnell und auch sonst war nichts außer viel Natur und Umgebung zu sehen – und gegen die Windschutzscheibe knallte. Vera saß am Steuer und hat super reagiert. Trotz des Schrecks hat sie nicht das Steuer verissen oder gar schlimmeres. In der Scheibe prangte aber nichts desto trotz ein ziemlich großes Loch, das zwar nicht ganz durch war, aber doch ungefähr kirschgroß an den Stein erinnerte. Zum Glück scheint aber ein solcher Schaden versichert zu sein und wir müssen wohl nicht mit irgendwelchen Schadensersatzansprüchen rechnen. Wenigstens das ist ein positiver Aspekt an dieser Erfahrung.

Nach einer weiteren Nacht in Bangor haben wir am nächsten Tag wieder die Fahrt in Richtung Süden aufgenommen. Unser nächstes – und leider auch schon letztes Hotel für diesen Urlaub – lag in Hampton, New Hampshire. Wir sind von Bangor aus ziemlich schnurgerade nach Süden gefahren und sobald es möglich war die Küstenstraße entlang. Die Autobahnen sind zwar schneller, aber definitiv langweiliger und schließlich hatten wir ja Urlaub, d. h. wir hatten es nicht eilig.

Hampton ist eine Stadt, die wohl nur amerikanische Touristen als wunderschöne Strandstadt bezeichnen können. Die Parkplätze sind so nah am Strand, daß sie den Anblick gleich mit verderben. Das erste was man sieht, wenn man die Strandpromenade, die gleichzeitig die Hauptverkehrsstraße von Hampton zu sein scheint, sind die parkenden Autos auf der Meerseite und die Hotels und Restaurants auf der dem Land zugewandten Seite. Die Hotels und Restaurants bestehen größtenteils aus Fast Food und Apartmenthäusern. Wahrscheinlich muß man für die Zimmer mit Balkon zum Meer ein Vermögen ausgeben, ohne viel mehr als den Meerblick dafür zu bekommen. Wir hatten unser Hotel aber nicht direkt am Strand gebucht und die Fahrt dorthin war wieder dank der abenteuerlichen Straßenführung sehr aufregend. Amerikanische Straßenbauer scheinen dazu zu neigen, die Autofahrer immer in die andere Richtung zu schicken, als die eigentlich wollen, um dann in einem großen Umweg dorthin zu gelangen. Aber es gelang uns früher oder später mit vereinten Kräften, unser Hotel Lamies Inn zu finden und auch einen der hier leider etwas spärlichen Parkplätze zu ergattern. Das Hotel hier war mit Abstand das schönste, es hatte einen „Landhausstil“, der es gleich gemütlich machte. Nur unser Zimmer schien mal die Besenkammer gewesen zu sein, denn das „Fenster zum Parkplatz“ hatte die Größe einer Schießscharte. Aber man ist ja nicht im Urlaub, um aus dem Fenster zu gucken, also konnten wir damit leben.

Zu dem Hotel gehörte auch ein offensichtlich gut gehendes Restaurant, wo eine Nachspeise namens „Mud Pie“ der große Renner war. Wir konnten uns nicht beherrschen und bestellten auch eine, obwohl auf unsere Frage, ob wir eine „kleine“ Portion haben könnten, die Antwort „one size fits all“ kam. Ob diese Größe nun wirklich jedem paßt ist allerdings fraglich, denn wir ertranken fast in Kaffee-Eis, begraben unter Schlagsahne und auf Oreo-Keksen gebettet. Es schmeckte himmlisch – sündhaft – aber wie kann ein Mensch eine Portion so groß wie mindestens ein Viertel einer Torte verdrücken? Selbst zu zweit mußten wir irgendwann aufgeben, eine Schande für das gute Zeug, aber wer hätte uns von der Wand gekratzt nachdem wir geplatzt wären?

 

Cape Cod

Am nächsten Tag sahen wir uns bereits unserem letzten Urlaubstag auf Achse gegenüber. Wir stiegen in unser Auto und fuhren über die Autobahn in Richtung Boston. Wir wollten relativ schnell nach Massachussetts gelangen, weil wir hier noch einen Abstecher nach

Cape Cod machen wollten. Boston zu finden war dank Karte und gut ausgeschilderten Autobahnen kein Problem und auch Cape Cod fanden wir ohne Schwierigkeiten. Doch dann standen wir in zähflüssigem Verkehr, zusammen mit allen anderen, die auf die einzige Straße wollten, die auf die Halbinsel Cape Cods führt. Man muß wohl sehr weit vordringen, um die wirklich schönen Stellen Cape Cods zu finden, und wir sahen die Zeit verrinnen. Also entschlossen wir uns, doch nicht so weit zu fahren und trösteten uns mit dem Gedanken, daß wir im Acadia Nationalpark bereits eine wunderschöne Landschaft genießen konnten.

Auf dem Weg zurück nach New York mußten wir etwas improvisieren, da ich an alles gedacht hatte, nur nicht an eine Karte vom Staat New York. Aber dennoch haben wir es geschafft, nicht zu weit von der Strecke abzukommen, daß wir uns nicht mehr zurecht gefunden hätten. Trotz eines kleinen Fehlers bei der Autobahnabfahrt Richtung Triboro Bridge, durch den wir in der Bronx eine Schleife fahren mußten, um wieder auf die richtige Strecke zu gelangen, haben wir den Weg nach Hause gefunden. Auch wenn ich hartnäckig gegen Veras nicht unbedingt leise geäußerten Zweifel, wir seien ganz bestimmt falsch und das könne nicht richtig sein, ankämpfen mußte, ohne mir selbst sicher zu sein. Aber als ich dann das erlösende Schild Auffahrt F.D.R.-Drive South sah, waren meine Zweifel beseitigt und ich konnte mich entspannen. Obwohl man New York sonst nur als Fußgänger erlebt, hat man doch eine ungefähre Vorstellung wo was ist und das hilft bei der Orientierung mehr als gar nichts.

Wir lieferten unsere Koffer zu Hause ab, die ich beim Doorman abstellte, und brachten dann unser Auto zurück. Ein bißchen traurig war ich ja schon, jetzt wieder zu den Fußgängern zu gehören...

Nach der Durchquerung von insgesamt 6 amerikanischen Bundesstaaten (New York, Connecticut, Massachussetts, Maine, New Hampshire, Rhode Island) und sieben tollen Urlaubstagen hatten wir noch den Freitag, 9.8. und das Wochenende vor uns, bevor uns der Alltag wieder einholen konnte. Vera reiste am Sonntag morgens sehr früh schon wieder ab, so daß wir den Freitag und Samstag noch dazu nutzen konnten, in New York ein paar Dinge anzusehen. Zum Beispiel sind wir mit der Staten Island Ferry gefahren, haben einen Einkaufsbummel bei Macys gemacht, sind auf das Empire State Building gefahren und – nicht zu vergessen – haben nach dem ständigen unterwegs sein auch mal ein wenig entspannt. Jimmy hat sich ja auch sehr über unsere Rückkehr gefreut und forderte seine Aufmerksamkeit nach der langen Einsamkeit, die wir ihm auch ohne zu zögern gleich im Doppelpack zugestanden.