Portugal - 11.9. bis 24.9.2000
Reisetagebuch, Eintrag vom 11.9., Evora

China Air Flüge sind preiswert - und nervig. Nachdem ich 2,5 Stunden vor Abflug gesagt bekam, daß ich für Sitzplatzwünsche zu spät dran sei und wir mit zweistündiger Verspätung endlich abflogen Richtung Frankfurt, saß ich eingeklemmt zwischen einer deutsch sprechenden unterhaltungswütigen Studentin und einer alten Chinesin, die nichts als Chinesisch sprach und auch nicht sehr an westliche Benimmregeln gewöhnt war. Meine beharrliche Schweigsamkeit machte mich noch interessanter und auch mein Versuch, die mir von der Studentin aufgenötigte Unterhaltung durch mein Buch zu unterbinden, war erfolglos. Die Alte neben mir schmatzte, redete mit typisch chinesisch-hoher Piepsstimme ständig, gähnte geräuschvoll und versuchte mich +ber die Studentin bis in die privatesten Details auszuquetschen. Währenddessen schien es ihr nahezu unmöglich, still zu sitzen und sie zappelte und hampelte ohne Unterlaß bis zur Ankunft in Frankfurt.

Statt 17.00 Uhr kam ich dann endlich um 19.00 Uhr in Frankfurt an. Per Handy unterrichtete ich Vera, meine Freundin, mit der ich die nächsten Tage in Portugal verbringen wollte, darüber, daß ich jetzt da sein und erst mal Verbindungen nach Düsseldorf mit der Bahn erkunden müsse. Die Zugverbindung war dann schnell hergestellt, mit dem ICE zum Düsseldorfer Hauptbahn. Ankunft 22.30 Uhr. Von dort holte Vera mich mit einem Bekannten ab und wir fuhren eine Stunde zum Holiday Inn Ratingen. Dort merkte ich, daß ich es geschaffthatte, meinen Kulturbeutel zu vergessen und so mußte ich mit einer furchtbar harten aber winzigen Zahnbürste, 3 gr. Zahncreme und einem Plastikkamm von der Rezeption für die abendliche Katzenwäsche auskommen. Am nächsten Morgen fuhren wir um 7.00 Uhr mit dem Shuttlebus zum Flughafen, gaben unser Gepäck auf und fanden keine einzige Drogerie am Flughafen, wo ich meinen Notstandhätte beheben können. Auch in Brüssel am Flughafen, wo wir zwischenlandeten, gab es nur wenige, unverschämt teure Artikel im Duty Free Shop, von Zahnbürsten und Haarbürsten natürlich gänzlich abgesehen.

Zur Entschädigung wurden wir für den dreistündigen Flug nach Lissabon in die Businessclass upgegradet und genossen so Entenbrust und Lach uns Service non stop.

In Lissabon angekommen ging alles sehr schnell. Bargeld mit der EC-Karte abgehoben, Gepäck eingesammelt und unseren Fiat Punto Carbrio bei Europcar in Empfang genommen und schon konnte der Urlaub losgehen.
 
 
Wir sind über die Autobahn nach Evora gefahren, einem Städtchen, das von der UNESCO zum Weltkulturgut ernannt wurden wegen seiner zahlreichen erhaltenen Kulturstätten. Im Hotel Dom Fernando haben wir unser Zimmer bezogen, im nahe gelegenen Einkaufszentrum dann auch endlich meinen Kulturbeutel vervollständigt und uns mit Getränken eingedeckt und uns dann erst mal an den Pool gelegt. Nachdem wir uns etwas erholt hatten vom Reisestress sind wir in die Stadt gegangen, um dort etwas zu essen.

Evora zeigt viel südliches Flair mit vielen schmalen Gassen, Kopfsteinpflaster und vielen Gelegenheiten, draußen zu sitzen. Wir haben uns ein kleines Restaurant gesucht, das mich von seinem äußeren Erscheinungsbild erst mal an den chinesischen Kantinencharme erinnerte. Aber das Essen war gut, wenn auch etwas salzig, der Vinho Verde süffig und jvor allem preiswert. Ein Hauptericht kostete ungefähr 10 DM und da Vera mit ihren Spanischkenntnissen besser wußte, was einen erwartet, half sie mir bei der Auswahl enorm.
Reisetagebuch, Eintrag 14.9., Pedros del Rei

Evora haben wir verlassen, ohne uns kulturell weiterzubilden, was bedeutet, außer Swimmingpool und abends essen gehen, haben wir uns nichts angesehen. Wir waren uns einig, daß der Urlaub zuallererst erholsam und dann villeicht bildend sein sollte. Nach einer Zeitverschiebung von 7 Stunden und mehr jeweils, war es ja auch durchaus angemessen, die ganze Sache ruhig angehen zu lassen. Gestern fuhren wir von Evora in Richtung Osten eine vom Reiseführer beschriebene Tour dicht an der Grenze zu Spanien entlang bis an die Algarve, Um ehrlich zu sein, waren die Olivenhaine und die winzigen Städtchen, die wir während der ganzen Fahrt sahen, auf die Dauer etwas langweilig. Die Natur ist von den unglaublichen Temperaturen, die über die 40°C Grenze steigen, verdörrt und verbrannt und sieht öde aus, wenn sie nicht mit Unmengen von Wasser gegossen wird.

An der Algarve in Vila Real wandten wir uns wieder nach Westen und fuhren nach Pedros del Rei, wo wir unser nächstes Streckendomizil fanden. Eine Ferienanlage mit zahlreichen Pavillons auf einer recht unübersichtlichen Anlage. Erst auf den zweiten Blick sah man, warum diese Ferienapartments nur 2 Sterne haben. Neben dem fehlenden Fernseher, was zu verkraftenwäre, fehlte auch die Klimaanlage oder wenigstens ein Ventilater gänzler. Was mir persönlich die einfache Behausung zu heiß und unerträglich gestaltete. Die Einrichtung erinnert an ein Haus in einem Freilichtmuseum, auf alt und rustikal getrimmt. Der Balkon zeigt auf einen eien Innenhof, der durch die verschachtelte Anordnung der Häuschen entstand. Erst jetzt, nach zwei Tagen, fahren wir einigermaßen zielstrebig zu unserem Apartment, anfangs haben wir uns noch ständig verlaufen oder verfahren auf dem Weg nach Huause.

Den ersten Tag haben wir am Strand verbracht, den man mit einer Bimmelbahn, die einen zur vorgeagerten Sandbank übersetzt, erreicht. Meine Haut weigert sich natürlich wieder, einen typischen Urlaub für sSonnenhungrige zu überstehen und so hatte ich abends einen fetten Sonnenbrand trotz Eincremen. Die Stellen, wo kein Sonnenbrand ist, sind übersät mit Hitzepiclkelchen. Im Gegensatz dazu wird Vera immer brauner, genießt das Cabrio-Fahren, was mir meinerseits einen Sonnenbrand auf dem Scheitel eingebracht hat, schwitzt kaum und findet das Meerwasser zu kalt, das für mich die einzige halbwegs angenehme Erholung darstellt. Wir passen also in dieser Hinsicht "wunderbar" zusammen. Aber Gottseidank treten deshalb keine Mißstimmungen auf, denn wir beide verstehen uns darauf, Kompromisse einzugehen.

Ich habe eine kleine Freundin gefunden, eine Miezekatze, was sonst... Nachdem ich ihr gestern Rese unserer auerwurst in der Dose gefüttert habe, besucht sie uns regelmäßig. Allerdings bevorzugt sie die freiheit und kommt nur kurz ins Zimmer, liegt lieber draußen auf dem Treppenabsatz vor der offenen Haustür und schläft.

Morgens waren wir in der näheren Umgebung unterwegs, um uns ein wenig kulturell zu bilden. Wir sahen uns die St. Barbara de Nexe Kirche und den Schlossgarten von Estor an. Danach haben wir in der Mittagshitze im Apartment ausgeruht. Ganz südlandisch.
St. Barbara de Nexe

Am Nachmittag scheiterte unser Versuch, an den Pool zu gehen, an einem unfreundlichen Bademeister, der, als wir uns Sonnenliegen nehmen wollten, statt Guten Tag lieber "Money" in unsere Richtung schnauzte. Wir ließen die Liegen wo sie waren, da wir nicht gewillt waren, diese für einen ganzen Tag zu zahlen, wo wir nur ein paar Stunden dort bleiben woltlen. Vera wollte daraufhin lieber an den Strand, doch ich schloß mich ihr nicht an, da am Strand kein Schatten sein würde und mein Sonnenbrand brachte mich dazu, darauf lieber zu verzichten. Nach einiger Zeit, die ich lesend am Pool verbracht hatte, zog ich mich in den Schatten und die Kühle unseres Balkons zurück.

Eintrag Reisetagebuch, 18.9., Ria Park Hotel, Almancil

Nachdem wir unsere 3 Übernachtungen in Pedro del Rei mit einem abschließenden Besuch im hoteleigenen Restaurant gekrönt hatten, sind wir am 15.9. ca. 30 km weiter Richtung Westen gefahren, wo wir in Almancil ein 4-Sterne-Hotel für vier Nächte gebucht hatten.

Wir fanden ein Zimmer ausgestattet mit Klimaanlage, TV (mit deutschen Sendern) , einen Pool, den man ganz ohne "Money" besuchen konnte und dabei eine Liege benutzen konnte und einen riesigen Balkon vor.

Den ersten Tag haben wir morgens nach einem ausführlichen Frühstück am Strand verbracht, wo hier weniger Leute zu finden waren und der Sand feuchter ist. Dadurch war mein Kampf gegen den ewigen Sand in allen Ritzen hier nicht so groß und mein Sonnenbrand fing ohnehin an, sich in eine Art rötliche Bräune zu verwandeln. Trotzdem hielt ich meinen angegriffenen Rücken unter einem Strandtuch versteckt und genoß das Meeresrauschen bei Muschelsuchen und Ruhe.

Den Nachmittag verbrachten wir am Pool, wo ich auch Schatten finden konnte und eine Runde im zugegebenermaßen sehr kalten Pool drehte.

Abends merkten wir, daß unser Luxushotel und seine Luxuslage den Nachteil hatte, daß auch alle umliegenden Restaurants der gehobenen Preisklasse entsprechen und wir statt einfachen gegrillten Sardinen oder ulas (Tintenfisch) eher "Meerwolf in Zitronencremesauce an Cashewkernen" vorfinden würden. Nach etwas suchen fanden wir ein nicht ganz so hochtrabendes Restaurant,wo wir Fisch-Cataplana aßen. Das ist eine einfache Suppe aus Muscheln, Fisch und Krabben, die wirklich kasse schmeckte.

Am nächsten Tag sind wir nach Sagres gefahren, Europas südwestlichster Stadt. Hier besichtigten wir die Touristischen Höhepunkte S. Vicente, dem Leuchttum im wirklich letzten Zipfel Europas und die Forteza, , ein Fort, das Heinrich der Seefahrer (wer ist das eigentlich genau !?) als Nautikschule betrieben hat. Nach einem Spaziergang, der bei ca. 40°C in der prallen Sonne meine letzten Körperflüssigkeiten herauslockte und einem Eis zur Abkühlung, gingen wir an Verkaufsständen mit dicken selbstgestricken Norwegerpullovern (!) vorbei zum Auto zurück und fuhren wieder Richtung Almancil. Diesmal nahmen wir näher am Meer entlangführende Straßen, die zum Teil nur aus Schotter bestanden, dafür sahen wir aber schönere Landschaften als von der N125 aus, die an der ganzen Algarve entlangführt und selten einen direkten Blick auf das Meer freigibt.
St. Vicente
südwestlichster Zipfel Europas
Der Leuchtturm St. Vicente
Von hier aus geht's nach Afrika
     
Was für 'ne Kanone...
  Im Forteza
     
Unterwegs machten wir Halt im Fischer- und Touristenörtchen Salema, wo wir endlich noch mal richtige portugiesische Hausmannskost bekamen.

In der Nacht fing es an zu regnen und ich hörte auf zu schlafen. Auch in Portugal verlät mich mein Wettergefühl nicht und von halb fünf an starrte ich im Dunkeln an die Decke, wie immer, wenn sich das Wetter ändert. Vera fand das am Morgen prima, denn endlich hatte ich mal keine schlechte Laune wie üblich beim Aufstehen, sondern war um 8.00 Uhr eher froh, daß sie wach wurde und ich endlich aufstehen konnte.

Den Morgen verbrachten wir bei Regen vor dem Fernseher und als die Sonne gegen 11.00 Uhr rauskam, haben wir uns wieder zum Pool begeben, wo wir die zaghaften Sonnenstrahlen genossen.
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