Am
Tag des
Abflugs
war ich
angesichts
des bevorstehenden
Abenteuers
Versetzung
erstaunlich
gelassen.
Mit der
mir eigenen
Verdrängungstaktik
ist es
mir auch
bis zur
letzten
Sekunde
gelungen,
so zu
tun, als
sei so
eine kleine
Versetzung
ins Reich
der Mitte
ein völlig
irrelevantes
Randereignis.
Seit 1,5
Jahren
war ich
nun beim
Auswärtigen
Amt als
Sekretärin
beschäftigt
und hatte
mich innerlich
darauf
vorbereiten
können,
daß
eines
Tages
der große
Tag der
ersten
Versetzung
kommen
würde.
Er war
gekommen.
Jetzt.
Und noch
kam diese
Tatsache
mir nicht
so recht
zu Bewußtsein...
Doch als
ich dann
letztendlich
am Flughafen
Köln-Bonn
ankam
und dort
der Abschied
von Familie
und Freunden
immer
näher
rückte,
war es
doch um
mich geschehen.
Am liebsten
hätte
ich im
Auswärtigen
Amt angerufen
und Bescheid
gesagt,
sie sollten
sich jemand
anderen
suchen,
ich sei
für
diese
Aufgabe
nicht
geeignet.
Ich war
25 Jahre
alt und
hatte
mir diesen
Job aus
freien
Stücken
ausgesucht,
also zwang
ich mich
nun auch,
standhaft
zu bleiben
und nicht
zu zeigen,
wie schwer
mir der
Abschied
tatsächlich
fiel.
Meine
Eltern
begleiteten
mich zum
Flughafen
und dorthin
kam dann
auch Michael,
mein Freund,
um sich
endgültig
von mir
zu verabschieden.
Eine Versetzung
ist nicht
die gesündeste
Maßnahme
für
eine nicht
bombenfeste
Beziehung
und so
sollte
dies auch
das letzte
Mal bleiben,
die wir
beide
uns sahen.
Und als
ob ich
es damals
schon
sicher
gewußt
hätte
- genau
so fühlte
ich mich
auch!
Als
wir am
Flughafen
ankamen,
wurde
mir erst
mal mitgeteilt,
daß
meine
Zubringermaschine,
die mich
nach Paris
bringen
sollte,
Verspätung
habe.
Diese
Maschine
wäre
zu spät
angekommen,
um mich
überhaupt
noch rechtzeitig
nach Paris
zu bringen
und so
mußte
ich umgebucht
werden
auf eine
andere
Maschine,
die eine
ganze
Stunde
früher
losfliegen
würde
als ich
ursprünglich
hätte
fliegen
sollen.
Ich war
entsetzt,
von den
kostbaren
letzten
Minuten
mit meiner
Familie
wurde
mir auch
noch mehr
als eine
Stunde
entrissen!
Aber es
war nicht
zu ändern.
Ich nahm
diese
Auskunft
wie einen
Schlag
in die
Magengrube
entgegen
und schluckte,
während
ich bestätigend
nickte.
So langsam
wurde
mir bewußt,
was es
bedeutet,
"versetzt"
zu werden.
Das ist
nicht
nur Spaß
und Aufregung
und Spannung
und Abenteuer.
Da ist
auch eine
Menge
Trauer
und Abschied,
die eine
große
Rolle
spielen,
und das,
so weiß
ich jetzt,
nach 5
Jahren
Auslandseinsatz,
bleibt
immer
ein großer
Bestandteil
im Leben
eines
Diplomaten.
Alles
hat seine
Schattenseiten.
Trotz
meines
guten
Vorsatzes,
auf keinen
Fall beim
Abschied
zu weinen,
um meinen
Eltern
das ganze
nicht
noch schwerer
zu machen,
habe ich
es natürlich
nicht
geschafft,
meine
Tränen
zurückzuhalten.
Als wohlbehütetes
Nesthäkchen
der Familie
war ich
bislang
nie lange
und schon
gar nicht
so weit
und noch
weniger
so allein
weit weg
gewesen
vom Schoße
der Familie.
Meine
Abnabelung
war wie
ein Sprung
ins kalte
Wasser
- vom
Zehnmeterbrett.
Und als
ich nun
Tränen
in den
Augen
meines
Vaters
sah -
der Vater,
der immer
so stark
und sicher
ist, der,
der nie
weint
und den
nie etwas
umzuhauen
scheint
- öffneten
sich die
Schleusen
und ich
war nicht
mehr zu
bremsen.
Der Flug
dauerte
insgesamt
9 Stunden
- und
so lange
dauerte
auch meine
Weinattacke.
Immer
wieder
kam der
Stewart
und fragte
nach,
ob etwas
nicht
stimmte,
aber ich
wollte
nur in
Ruhe gelassen
werden.
Meine
Mutter
hatte
mir einen
Brief
in die
Hand gedrückt
zum Abschied,
den ich
erst öffnen
sollte,
wenn ich
im Flugzeug
säße.
Ich tat
wie geheißen
und als
die Tränen
gerade
eine Pause
machten,
öffnete
ich den
Brief.
Sein Wortlaut
lautete
wie folgt:

Das
wünsche
ich Dir:
1. Einen
angenehmen
Flug und
eine gute
Ankunft
2. Im
Beruf
viel Erfolg
und nette
Kollegen
3. Für
die Freizeit:
Gute Freunde,
viel Spaß
und Zufriedenheit
4. Für
Dein neues
Heim:
Gemütlichkeit
und ein
rundum
Wohlgefühl
5. Das
neue Land:
Lerne
es kennen
und versuche
es zu
verstehen
6. Für
die ganze
Zeit:
Viel viel
Glück
und eine
Menge
Gesundheit
Ich habe
Dich sehr
lieb
P.S.:
Rate mal,
wer Dir
das wünscht!
Da saß
ich also,
im Flugzeug
in ein
mir völlig
unbekanntes,
fremdes,
weit entferntes
Land namens
China,
in dem
alles
anders
sein würde
als ich
es bisher
in meinem
Leben
erfahren
hatte,
und las
diese
Zeilen.
Jeder
kann sich
denken,
was ich
dabei
tat: Die
gerade
erst vertrockneten
Tränen
erwachten
zu neuem
Leben
und ich
vermißte
meine
Eltern
in diesem
Moment
so sehr,
daß
es fast
körperlich
weh tat.
Am Flughafen
in Peking
holte
mich mein
zukünftiger
Chef persönlich
am Flughafen
ab. Seine
Frau war
mit dem
gleichen
Flugzeug
angekommen
und so
bekam
ich eine
"Sonderbehandlung"
durch
seine
Abholung.
Noch war
ich wie
im Trance
und nahm
um mich
herum
nur das
auf, was
mir unmittelbar
vor die
Nase gehalten
wurde.
So z.
B. auch
den Blumenstrauß,
den mir
Herr Röhr
überreichte.
Ich war
beeindruckt.
Mein Koffer
wurde
in einen
Dienstwagen
verfrachtet
und wir
stiegen
alle ein.
Doch dann
sprang
der Wagen
nicht
an. Ein
untrügliches
Zeichen,
daß
wir uns
in einem
Entwicklungsland
aufhielten.
Wir warteten
noch eine
halbe
Stunde
auf einen
Ersatzwagen,
der dann
auch kam.
Ich wurde
auf direktem
Wege zur
Botschaft
gefahren,
wo ich
einigen
künftigen
Kollegen
vorgestellt
wurde
und mich
der Kanzler,
also der
Leiter
der Verwaltungsabteilung,
willkommen
hieß.
Er brachte
mich auch
höchstpersönlich
in mein
Hotel,
das Kunlun
Hotel
in der
Nähe
der Botschaft.
Dies sollte
mein Übergangszuhause
für
die nächsten
6 Wochen
sein,
so lange
würde
es noch
dauern,
bis meine
Möbel
von der
Spedition
in Peking
abgeliefert
werden
würden
und ich
meine
Wohnung
auf dem
Jianguomenwai
Compound
beziehen
konnte.
Es war
Freitag,
der 5.8.1997,
als ich
in Peking
ankam,
und nachdem
ich im
Hotelzimmer
die Zeitverschiebung
in den
Knochen
einmal
auf das
Bett gesunken
war, blieb
ich auch
dort,
bis zum
nächsten
Tag -
und bis
zum Sonntag.
Ich hatte
Angst.
Ganz einfach.
Plötzlich
wurde
mir nur
zu deutlich
bewußt,
daß
ich mich
in einem
fremden
Land mit
fremden
Menschen,
die eine
fremde
Sprache
sprechen
und fremde
Lebensangewohnheiten
haben
befand.
Ich kannte
niemanden
in ganz
Peking
- okay,
ich kannte
den Kanzler
in der
Botschaft,
aber der
hatte
Samstags
natürlich
genauso
Wochenende
wie alle
anderen
und ich
hätte
sicher
nicht
dort angerufen,
um mich
mit ihm
zu treffen.
Also verkroch
ich mich
ins Hotelbett
und fragte
mich,
wie um
alles
in der
Welt ich
eigentlich
hier her
gekommen
war. Dort
blieb
ich, bis
zum nächsten
Tag um
die Mittagszeit.
Es war
Sonntag
und ich
wußte,
daß
heute
ein Kollege
aus Bonn
ebenfalls
seinen
Dienst
in Peking
antreten
würde,
den ich
bereits
flüchtig
in Bonn
kennengelernt
hatte.
Wolfgang
Feid híeß
er und
ich hoffte
inständig,
ich würde
zufällig
auf ihn
treffen.
Wir hatten
zwar ausgemacht,
daß
er sich
bei mir
melden
würde,
wenn er
ankommt,
aber ich
war mir
nicht
sicher,
ob er
das auch
bereits
an dem
Sonntag,
dem Tag
seiner
Ankunft
tun würde
und ich
lechzte
nach menschlicher
Gesellschaft.
Also zog
ich mich
an und
ging verzagten
Schrittes
meine
ersten
selbständigen
Schritte
in Peking.
Ich nahm
mir vor,
um mir
selbst
ein Ziel
zu setzen,
bis zur
Botschaft
zu gehen
und so
gleich
den Weg
für
morgen
früh,
wenn mein
Dienst
um acht
im Büro
begann,
auszukundschaften.
Auf Wolfgang
traf ich
natürlich
nicht
zufällig
und so
lief ich
bis zur
Botschaft,
auf einem
anderen
Weg wieder
zurück,
wobei
ich aber
immer
darauf
bedacht
war, "um
den Block"
zu laufen,
so daß
ich mich
nicht
verlaufen
würde.
Was, wenn
ich mich
hier verlaufe?
Kein Mensch
versteht
mich,
wie sollte
ich je
wieder
ins Hotel
zurück
finden?
Also lieber
aufpassen
und immer
ein Hochhaus
im Blick
behalten,
von dem
ich weiß,
daß
es nicht
weit entfernt
vom Hotel
ist. Als
ich durch
die Straßen
Pekings
ging,
fiel ein
wenig
meiner
merkwürdigen
Panik
von mir
ab, auch
hier lebten
Menschen,
sie sprachen
anders,
sie sahen
anders
aus, aber
es sind
Menschen.
Es gibt
Straßen,
Häuser,
Bäume,
Grillen,
die fürchterlich
laut Zirpen,
es ist
also eigentlich
alles
recht
normal,
und während
dieser
Gedanke
in mein
Bewußtsein
drang,
zog sich
meine
unlogische
Angst
immer
mehr zurück.
Ich würde
das Beste
daraus
machen,
nun hier
zu sein!
Welt,
ich komme!
Wolfgang
rief gegen
Abend
in meinem
Hotelzimmer
an und
wir verabredeten
uns zum
Essen.
Er war
bereits
mehrere
Male in
Peking
auf Dienstreisen
gewesen
und konnte
so seine
"Erfahrung"
spielen
lassen.
Ich war
beeindruckt,
und froh,
daß
jemand
da war,
mit dem
ich sprechen
konnte.
Die ganzen
vier Jahre
meines
Aufenthaltes
in Peking
war Wolfgang
einer
meiner
engsten
Freunde,
einer,
mit dem
man seine
Sorgen,
seine
Freude,
sein Leid
und seinen
Spaß
teilen
konnte.
Ich war
dankbar,
daß
man uns
gleichzeitig
nach Peking
versetzt
hatte,
denn so
mußten
wir uns
für
die nächsten
vier Jahre
nicht
auf einen
Abschied
voneinander
vorbereiten
und konnten
uns mit
unserer
Freundschaft,
die in
dieser
ganzen
Zeit durch
dick und
dünn
gegangen
ist und
trotz
harter
Prüfungen
standgehalten
hat, gegenseitig
helfen.
Heute,
viereinhalb
Jahre
später,
bin ich
mittlerweile
nach New
York versetzt
worden
und Wolfgang
ist zurück
nach Bonn
gegangen,
wo er
bald seine
Sabine
heiraten
wird.
Ich wünsche
den beiden
von ganzem
Herzen
alles
alles
Gute für
ihre gemeinsame
Zukunft!
