Umzug
New York
–
Wilna
Ende
2004
war die
Zeit,
in der
ich langsam
anfing,
kribbelig
zu werden.
Ich hatte
meine
Bewerbung
für
den neuen
Posten
2005 bereits
im Spätsommer
abgegeben
und es
brannte
mir unter
den Nägeln,
endlich
zu erfahren,
wo es
mich denn
nun hin
verschlagen
würde.
Einerseits
wollte
ich nicht
weg aus
New York,
andererseits
wusste
ich ja,
dass es
kein Entkommen
gab und
wenn schon,
dann wollte
ich endlich
eine konkrete
Entscheidung
sehen.
Die Posten,
auf die
ich mich
beworben
hatte,
waren
sehr unterschiedlich,
so hatte
ich u.
a. Herausforderungen
wie Harare
in Simbabwe
oder Kampala
in Uganda
angegeben,
aber auch
ruhigere
Posten
wie Brüssel
oder Prag.
Da die
Planer
im Amt
uns immer
wieder
predigen,
dass wir
nach so
schönen
Posten
wie New
York auch
etwas
anbieten
müssten
und nicht
von einem
Sahneposten
zum nächsten
kommen
könnten,
war ich
davon
überzeugt,
dass von
den angegebenen
Posten
auf meiner
Liste
die engere
Wahl auf
die vier
am schwierigsten
eingestuften
Orte fallen
würde,
nämlich
Harare,
Kampala,
Addis
Abeba
oder Kiew.
Und so
vergaß
ich fast,
auf welche
Posten
ich mich
noch beworben
hatte.
Zwischen
Weihnachten
und Neujahr
kam dann
endlich
der Vorerlass.
Mit einem
mulmigen
Gefühl
im Bauch
riß
ich den
Umschlag
auf und
las: „Ihre
Versetzung
nach WILNA
ist für
Ende Juni
vorgesehen.“
Wilna?,
dachte
ich, „wie
komm ich
denn da
dran?“
Diese
Frage
stelle
ich mir
bis heute,
denn Wilna
ist als
Posten
eigentlich
ein sehr
ruhiger,
wenig
herausfordernder
und von
der schwierigen
Landessprache
abgesehen,
einfacher
Dienstposten.
Seit Mai
2004 ein
EU-Mitgliedsstaat
bekommt
man alles,
was man
braucht,
kann sich
frei bewegen
und ist
nah an
„zu
Hause“.
Die Supermärkte
sind voll
mit deutschen
Waren
und im
Sommer
ist die
Stadt
selbst
auch voll
mit deutschen
Touristen,
die in
den letzten
fünf
Jahren
das Baltikum
als Reiseziel
immer
mehr entdeckt
haben.
Offenbar
bewerben
sich kaum
Kollegen
auf diesen
Posten,
wahrscheinlich
ist es
zu nah
an Deutschland,
zu wenig
exotisch
und zu
wenig
lukrativ,
sei es
im finanziellen
Bereich
oder in
Sachen
Zusatzurlaub.
Aber warum
auch immer,
ich hatte
den Zuschlag
erhalten
und war
insgeheim
doch etwas
erleichtert.
Die Afrika-Posten,
die ich
angegeben
hatte,
fand ich
zwar potentiell
interessant
und ich
allein
hätte
wohl auch
kein Problem
damit
gehabt,
aber ich
hatte
schon
angefangen,
mir Sorgen
um Jimmy
zu machen.
Was, wenn
an einem
dieser
Posten
eine Krise
ausbrechen
würde
und ich
Jimmy
zurücklassen
müsste
? (Besonders
in Harare
ist zur
Zeit ja
nicht
wirklich
eine stabile
politische
Situation!)
Mir kamen
viele
Geschichten
von Kollegen
in den
Sinn,
die davon
berichteten,
wie sie
in der
Vergangenheit
Tiere
hatten
zurücklassen
müssen
und nie
wieder
gefunden
hatten
nach Evakuierungen.
Ich hatte
sogar
schon
damit
begonnen,
vorsichtig
bei meinen
Eltern
nachzuhorchen,
ob sie
ggf. bereit
seien,
in einem
solchen
Fall Jimmy
bei sich
zu behalten,
denn mit
der Vorstellung,
ihn vier
Jahre
lang bei
ihnen
in Sicherheit
zu wissen
konnte
ich besser
leben
als mit
der Vorstellung,
ihn im
afrikanischen
Dschungel
zu verlieren!
Doch diese
Last wurde
nun schlagartig
von meinen
Schultern
genommen
und das
Wissen,
dass ich
Jimmy
gefahrlos
an den
neuen
Posten
würde
mitnehmen
können,
beruhigte
mich sehr.
Gleichzeitig
stieg
eine andere
Panik
in mir
hoch:
Nun hatte
ich es
schriftlich,
schwarz
auf weiß
stand
es da:
Ich musste
New York
den Rücken
kehren.
Meiner
heiß
geliebten
Arbeit
an der
Webseite
des Generalkonsulats,
der Stadt,
in der
ich mich
so wohl
gefühlt
hatte,
dass Heimaturlaube
zwar immer
noch schön,
aber nicht
mehr so
lang ersehnt
wie früher
von Peking
aus waren,
und all
die lieb
gewonnen
kleinen
Bequemlichkeiten,
die das
Leben
in New
York so
mit sich
brachten.
Eine Zeitlang
verharrte
ich im
Status
der Verleugnung.
Tat so,
als würde
mich all
das nichts
angehen,
war sogar
pikiert,
wenn z.
B. die
Umzugsfirmen
während
der üblichen
Besuche
in der
Vertretung
die Werbetrommel
bei mir
rührten.
„Ich?
Umziehen?
Das ist
ja noch
ewig hin!...“
Aber es
half alles
nichts,
früher
oder später
musste
ich ja
mit den
Umzugsvorbereitungen
anfangen.
Und der
erste
Schritt
in diese
Richtung
wurde
wieder
mal mit
dem üblichen
Schränke
Ausmisten
getan.
Jedes
Wochenende
nahm ich
mir eine
andere
Ecke in
meiner
Wohnung
vor und
war immer
wieder
erstaunt,
wie viel
ich in
dieser
kleinen
Wohnung
untergebracht
hatte.
Einiges
wurde
verschenkt,
einiges
verkauft,
anderes
gleich
entsorgt
und als
dann der
endgültige
Erlass
im März
ins Haus
flatterte,
konnten
die eigentlichen
Vorbereitungen
beginnen.
Doch erst
einmal
stürzte
ich mich
noch einmal
in einen
Urlaub,
der mich
zusammen
mit Carolin
an die
Westküste
der USA
führte.
Wir flogen
nach San
Francisco
und von
dort nach
4 Tagen
weiter
nach Las
Vegas,
wo wir
uns nicht
nur die
Spielhöllen,
sondern
auch die
wunderschöne
Umgebung
ansahen.
Bislang
habe ich
es nur
geschafft,
die Fotos
von Las
Vegas
online
zu stellen,
aber es
gibt auch
noch ein
paar sehr
schöne
Fotos
von San
Francisco,
die ich
hoffentlich
auch irgendwann
noch bearbeiten
und einstellen
werde.
Der Urlaub
tat richtig
gut, mal
gar nicht
an den
bevorstehenden
Umzug
denken
und nur
Erholung
pur, das
war wunderschön.
Die Westküste
ist einmalig
und faszinierend
und ich
werde
ganz sicher
wieder
mal dorthin
kommen!
Ich war
froh,
dass ich
die leidige
Gesundheitsuntersuchung
in New
York bei
unserer
Vertrauensärztin
bereits
im Januar
hatte
vornehmen
lassen
können
und dafür
nicht
extra
nach Berlin
reisen
musste.
So war
das bereits
im Januar
erledigt.
Einige
Monate
hatte
ich dann
erst mal
wieder
relative
Ruhe,
im März
noch einmal
Besuch
von meiner
Schwägerin
und meinen
Neffen
und im
April
nahm ich
mir dann
meinen
Mitbewohner
Jimmy
vor, der
ja auch
für
die große
Reise
vorbereitet
sein wollte.
Ich entführte
ihn in
seiner
Tragetasche
zum Tierarzt
und er
wurde
gechipt
und geimpft.
Die Mikrochips
sind seit
dem letzten
Jahr Pflicht
für
Tiere,
die in
die EU
einreisen
und der
Arzt erklärte
uns auch
genau,
wie und
wo Jimmy
gechipt
würde.
Er bekam
seinen
Chip zwischen
die Schulterblätter
gesetzt
und ließ
das alles
relativ
friedlich
über
sich ergehen.
Offensichtlich
hatte
er soviel
Angst,
dass er
nur zurück
in seine
Tragetasche
wollte.
Der Tierarzt
sagte,
es gäbe
keine
Norm für
Chips,
aber diese
Firma
sei einer
der am
weitesten
in der
Welt verbreiteten
und die
Wahrscheinlichkeit,
dass in
Europa
ein passendes
Lesegerät
am Zoll
wäre,
sei sehr
groß.
Ich vertraute
ihm und
zog mit
Jimmy
wieder
nach Hause.
Später
sollte
sich noch
herausstellen,
daß
Chip nicht
gleich
Chip ist.
Am 30.
April
dann flog
ich mit
ihm nach
Deutschland,
wo ich
ihn wieder
für
die Zeit
„zwischen
den Umzügen“
lassen
wollte,
um ihm
den Stress
des Möbelpackens
und Hotellebens
zu ersparen.
Natürlich
war ich
selbst
wieder
mal Wochen
vorher
schon
nervlich
völlig
kaputt
und hätte
ihm am
liebsten
all das
erspart.
Aber es
führte
kein Weg
dran vorbei,
als ihm
wieder
die Fliegerei
zuzumuten.
Dafür
freuten
sich aber
schon
meine
Eltern
auf „ihren
Enkelkater“
und als
wir dann
in Deutschland
ankamen
und Jimmy
in die
ihm bereits
bekannte
Wohnung
meiner
Eltern
kam, fühlte
er sich
ruckzuck
wieder
zu Hause.
Ihn wusste
ich also
in guten
Händen.
Mehr dazu
berichtet
Jimmy
in seinem
Umzugsbericht
auf seiner
Webseite.
Kurz nach
meiner
Ankunft
in Deutschland
machte
ich dann
von dort
aus Anfang
Mai meine
Wohnungsbesichtigungsreise
nach Wilna.
Nun konnte
ich langsam
nicht
mehr verleugnen,
dass ich
umziehen
würde.
Trotzdem
kam ich
mir vor,
als würde
mich all
das nichts
angehen,
wenn mir
z. B.
erzählt
wurde,
wer was
tut an
der Botschaft
oder immer
davon
gesprochen
wurde,
was wäre,
wenn ich
dann komme,
fühlte
sich das
an, als
würde
man über
jemand
anderen
sprechen.
Viel Zeit
habe ich
aber auch
nicht
in der
Botschaft
verbracht,
denn ich
bin die
meiste
Zeit mit
verschiedenen
Maklern
durch
Wilna
gerannt,
um mir
Wohnungen
anzusehen.
Ich habe
eine Menge
sehr schicker
Wohnungen
gesehen,
viele
so schick,
dass es
mir nicht
vorkam
wie etwas,
das zu
mir passt.
Zum Beispiel
konnte
ich mir
nicht
vorstellen,
in einem
Schlafzimmer
mit schwarzen
Lackmöbeln
und Tigerdruck-Bett
zu schlafen,
morgens
an der
hypermodernen
Küchentheke
meinen
Kaffee
zu trinken
und abends
vor dem
Zubettgehen
in die
eigene
Sauna
zu klettern.
Diese
Wohnung
sah aus
wie eine
Filmkulisse.
Sie lag
mitten
in einer
Art Fabrikgelände,
von außen
sah das
ganze
also völlig
unscheinbar
aus.
Eine
Wohnung,
die ich
mir angesehen
hatte,
hatte
mein Interesse
mehr geweckt,
sie war
zweistöckig,
mit Kamin,
schöner
moderner
Küche,
Gästezimmer,
zwei Badezimmer,
Balkon,
alles
sehr schön
eingerichtet
bzw. geschnitten.
Der Vermieter
war mir
auch bereits
mit der
Miete
entgegengekommen.
Allerdings
störte
mich die
Lage.
Ich wollte
wenn möglich
ohne Auto
bleiben,
denn ich
habe mich
in den
Jahren
in New
York daran
gewöhnt,
mich nicht
um ein
Auto und
seine
Wartung
kümmern
zu müssen.
Es erspart
einem
eine Menge
Nerven.
Also hätte
ich zu
Fuß
zur Arbeit
und einkaufen
gehen
müssen.
Die Einkaufsgelegenheiten
waren
nicht
auf dem
Weg zur
Arbeit
und auch
nicht
wirklich
nah, mit
dem Wissen
betrachtet,
dass ich
da auch
Wasserflaschen,
Katzenstreu
und andere
schwere
Dinge
hinschleppen
müsste.
Für
den Fall,
dass ich
doch ein
Auto genommen
hätte,
gab es
keine
Garage,
sondern
nur einen
Parkplatz
vor der
Tür,
wo es
jetzt
bereits
voll war.
Und der
Weg zur
Arbeit
führte
einen
steilen
Berg hinauf,
der an
einer
breiten,
langweiligen
Straße
entlang
führte.
So wirklich
versessen
war ich
auf die
Vorstellung,
mich jeden
Morgen,
ob Schnee,
Regen
oder Eis,
da hoch
zu quälen,
nicht.
An
einen
Abend
war ich
bei meiner
Vorgängerin
zu Besuch
und sie
bewohnte
die Parterrewohnung
in einem
Haus,
ganz in
der Nähe
der Vertretung.
Im Garten
standen
5 Obstbäume,
die Küche
war groß,
geräumig
und modern
eingerichtet
und es
gab ein
Gästezimmer
und einen
Keller.
Oben drüber
war noch
eine Wohnung,
in der
ein Litauer
wohnte.
Außerdem
waren
Supermärkte
und Kino
in unmittelbarer
Nähe.
Der einzige
Nachteil
war der
Garten,
der zwar
schön
ist, aber
für
Jimmy
natürlich
Freiheit,
die er
nicht
erreichen
kann,
bedeuten
würde.
Ihn nach
draußen
lassen
will ich
nicht
anfangen,
denn dann
wird es
irgendwann
einmal
vermissen,
wenn ich
ihm das
nicht
mehr bieten
kann.
Außerdem
fahren
hier dafür
doch zu
viele
Autos.
Das Kerlchen
weiß
ja gar
nicht,
was ein
Auto ist
und hat
nie gelernt,
davor
wegzulaufen.
Ein paar
Mal besuchte
ich meine
Vorgängerin
und immer
wieder
zog es
mich zu
dieser
Wohnung,
letztendlich
entschied
ich mich
dafür
und obgleich
sicher
viele
andere
Wohnungen
weitaus
schicker
und auch
praktischer
geschnitten
waren,
sagte
mir meine
innere
Stimme,
diese
Wohnung
müsste
es sein.
Der Mietvertrag
wurde
unterzeichnet
und als
ich nach
vier Tagen
wieder
abflog,
war ich
Mieter
der Parterrewohnung
in der
Ciurlionio
gatve
44-1 in
Wilna.
Nach einer
Woche
Urlaub
bei meinen
Eltern,
den ich
zum Neukauf
einer
Couch
und für
einige
Besorgungen
nutzte,
flog ich
zurück
nach New
York.
Das endgültig
letzte
Kapitel
war angebrochen.
Ich startete
noch einige
Hamsterkäufe
von Dingen,
ohne die
ich möglichst
nicht
mehr sein
wollte,
arbeitete
meine
Nachfolgerin
in ihre
Tätigkeit
als Webmasterin
ein und
versuchte,
soviel
wie möglich
noch zu
genießen.
Kurz vor
unserer
Abreise
besuchten
Carolin
und ich
noch ein
Wolf Conservation
Center
in New
York (www.nywolf.org).
Hier werden
Wölfe
für
Auswilderungsprojekte
gezüchtet
und die
drei „Ambassador
Wolfs“
durften
wir kennen
lernen
und im
wahrsten
Sinne
des Wortes
„mit
ihnen
heulen“.
Das Projekt
ist sehr
interessant
und wieder
einmal
hätte
ich am
liebsten
jemandem
den Job
abgenommen,
als ich
sah, wie
die Pfleger
der Wölfe
mit den
Tieren
umgingen
und wie
diese
sich offensichtlich
freuten,
ihre Menschen
zu sehen.
Immer
wenn ich
so etwas
vor Augen
gehalten
bekomme,
hasse
ich meinen
Schreibtischtäterjob.
Doch so
konnte
ich wenigstens
ein kleines
bisschen
in so
ein Leben
hineinschnuppern
und mir
ein realistisches
Bild über
die Wölfe
machen.
Es war
ein schöner
Abschluss
für
die New
York Zeit.

Am 24.
Juni kamen
dann die
Packer
und packten
mein Hab
und Gut
in Kisten.
Ich hatte
die Putzfrau
gebeten,
dabei
zu bleiben
und als
ich nach
der Arbeit
heim kam,
waren
außer
meinem
Fernseher
und meiner
Matratzen
alle Sachen
verpackt
und warteten
in der
Wohnung
darauf,
am nächsten
Tag runter
getragen
zu werden.
Die letzte
Nacht
verbrachte
ich so
auf der
Matratze
und musste,
um dort
hin zu
gelangen,
Möbelkartons
von links
nach rechts
schieben.
Eigentlich
hatte
ich mir
vorgenommen,
in der
Wohnung
zu campen,
bis ich
am 29.
Juni abfliegen
würde.
Aber als
ich in
der leeren
Wohnung
stand,
entschied
ich mich
dagegen.
Ich fühlte
mich viel
zu traurig,
um mich
da in
die kahle
Bude auf
eine Luftmatratze
zu hocken
und ging
lieber
ins Hotel.
Am Wochenende
vor der
Abreise
fing ich
mir dann
auch noch
auf meinem
Notebook
einen
Virus
ein, weil
man mir
einen
solchen
ins Gästebuch
gesetzt
hatte.
Also verbrachte
ich den
Sonntag
im Büro,
wo ich
mit Hilfe
des dortigen
Internet-PCs
das Notebook
wieder
freischaufelte.
Eigentlich
hatte
ich gehofft,
New York
noch etwas
zu genießen,
aber erstens
war mir
das Notebook
gerade
während
der Versetzungsphase
sehr wichtig
und zweitens
war es
schon
elendig
heiß
in Manhattan.
Nachdem
ich den
Samstag
in der
Stadt
herumgelaufen
war und
zum ersten
Mal so
etwas
wie Freude
über
meine
Abreise
empfand,
weil ich
so dem
heißen
Sommer
New Yorks
entkommen
konnte,
war ich
eigentlich
ganz froh,
den Sonntag
im klimatisierten
Büro
zu verbringen.
Am 29.6.
ging ich
morgens
noch zur
Arbeit,
verabschiedete
mich von
allen
und stieg
mittags
in den
Flieger
Richtung
Wilna.
Ich flog
über
Frankfurt
und dank
Zeitverschiebung
erreichte
ich Wilna
am 30.6.
gegen
halb eins
nachmittags,
um gleich
den Dienst
anzutreten.
Es war
26 Stunden
her, dass
ich in
New York
zum Dienst
gegangen
war, und
nun würde
ich in
kurzer
Zeit „Feierabend“
in Wilna
machen.
Nur das
Arbeiten
im Auswärtigen
Amt kann
das wohl
bieten…
Am Anfang
fiel es
mir unendlich
schwer,
mich anzupassen.
Aus New
York kommend
fühlte
ich mich
in die
Steinzeit
versetzt,
es gab
kein Internet
mehr am
Arbeitsplatz,
die Arbeit
bestand
wieder
aus Formschreiben
und Verbalnoten
nach Vorlage
tippen
und allzu
viel zu
tun gab
es auch
nicht.
Die meiste
Zeit saß
ich in
meinem
Büro
und wartete
auf den
Feierabend.
Die Kollegen
waren
ganz nett,
aber eben
fremd
und einige
„verstaubte“
Einstellungen
vor Ort
erschreckten
mich.
In New
York waren
wir halt
doch irgendwie
im Zeitalter
der Technik
und nutzten
diese
auch,
hier war
eine Mail
noch etwas
besonderes
und das
meiste
ging noch
wie in
den guten
alten
Zeiten
per Schriftbericht
oder Fax
raus.
Die ersten
3 Wochen
habe ich
in der
Altstadt
in einer
Übergangswohnung
gewohnt,
die mir
mein Vermieter
zur Verfügung
gestellt
hatte.
Meine
endgültige
Wohnung
musste
noch renoviert
werden
und im
Sommer
war es
auch sehr
angenehm,
in der
gemütlichen
Altstadt
zu wohnen.
In der
Nähe
meiner
Wohnung
gab es
auch Internet
Cafe und
ich verbrachte
so manche
Stunde
darin,
um mir
Zuspruch
und Trost
bei Freunden
zu holen,
die mich
und mein
Elend
verstanden.
Die Altstadt
und das
schöne
Sommerwetter
trösteten
mich auch
schon
ganz gut,
denn Wilna
ist im
Sommer
eigentlich
wirklich
sehr hübsch
und die
vielen
Restaurants
und Cafés
luden
zum draußen
sitzen
ein. An
den Wochenenden
unternahm
ich Touren
mit den
örtlichen
Touristikfirmen,
machte
eine Stadtrundfahrt
per Bus,
fuhr mit
einem
Tourguide
nach Trakai
und sah
mir so
die „neue
Heimat“
an.
 |
 |
| Ciurlionio
gatve
-
hier
wohne
ich.
|
Kirche
in
Wilna
|
 |
 |
| Wasserschloss
Trakai
|
Häuser
in
Trakai
|
Nachdem
meine
endgültige
Wohnung
fertig
renoviert
war, zog
ich nach
etwas
mehr als
drei Wochen
dort auf
meine
Luftmatratze
und verließ
damit
die Altstadt
und ihren
touristischen
Flair.
Die Übergangswohnung
war zwar
ganz schön,
aber es
gab keinen
Telefonanschluß,
der Fernseher
hatte
außer
RTL 2
keine
deutschen
oder anderswie
verständlichen
Sender
und, auch
das gebe
ich zu,
war ich
als geborener
Faulpelz
froh,
nicht
mehr jeden
Morgen
und jeden
Abend
eine halbe
Stunde
zur Arbeit
und zurück
zu laufen.
Meine
jetzige
Wohnung
befindet
sich im
Diplomatenviertel,
ringsum
viele
Botschaften
und sehr
viel mehr
Ruhe als
im partyfreudigen
Altstadtviertel
und ungefähr
4 Minuten
Fußweg
zur Botschaft
entfernt.
Die Luftmatratze
hatte
noch immer
das Loch,
das mich
bereits
2001 in
der New
Yorker
Wohnung
dazu gezwungen
hatte,
jeden
Abend
nach zu
pumpen.
Aber daran
erinnerte
ich mich
erst wieder,
als ich
die erste
Nacht
drauf
lag…
Doch für
die paar
Tage,
die es
noch bis
zum Eintreffen
meines
Umzugsgutes
waren,
sollte
es reichen.
 |
|
 |
| Statue
am
Theater
in
Wilna
|
|
Uni
Wilna
|
Mein Umzug
kam dann
am 23.
Juli an,
einem
Samstag.
Zusammen
mit meinen
drei Umzugstagen
hatte
ich somit
fünf
Tage Zeit,
alles
einzuräumen,
was mir
auch soweit
gelang.
Als ich
am Donnerstag
darauf
wieder
zur Arbeit
ging,
hatte
ich mit
wenigen
Ausnahmen
alles
an Ort
und Stelle.
Da
ich mich
auf der
Arbeit
langweilte
griff
ich sofort
zu, als
mich der
Kanzler
fragte,
ob ich
bereit
sei, einen
IT-Betreuer
Kurs in
Berlin
zu absolvieren.
Der Kurs
ging über
10 Tage
und war
abgesehen
von der
Abschlussprüfung,
die man
absolvieren
musste,
nicht
nur eine
Möglichkeit,
meinen
Tätigkeitsbereich
an der
Botschaft
etwas
auszuweiten,
sondern
auch,
Carolin
und ein
paar alte
Freunde
aus Pekinger
Zeiten
in Berlin
zu besuchen.
Es war
fast ein
kleiner
Urlaub,
auch wenn
der Kurs
recht
anstrengend
war. Die
neue Erfahrung,
bereits
nach weniger
als zwei
Stunden
Flugzeit
in Deutschland
zu sein,
war nach
8 Jahren
mit Langstreckenflügen
eine angenehme
Abwechslung.
In Wilna
zurück
warf ich
mich mit
Elan auf
die neue
Aufgabe
der IT-Betreuung.
Mir war
ein Ruf
vorausgeeilt,
dass ich
mich gut
mit PCs
auskenne
und so
traute
mir hier
nahezu
jeder
alles
zu, wenn
es darum
ging,
irgendwelche
technischen
Probleme
zu beseitigen.
Auch das
war eine
neue Erfahrung
für
mich,
bislang
hatte
ich an
den großen
Vertretungen
zumindest
immer
einen
oder zwei
Kollegen,
die sich
noch besser
auskannten
und die
ich fragen
konnte,
wenn ich
nicht
weiter
wusste.
Nun, mit
dem schriftlichen
Zeugnis
über
die erfolgreich
abgeschlossene
IT-Betreuer
Ausbildung
hatte
ich auch
gleich
deutlich
mehr zu
tun und
begann,
die IT-Geräte
zu inventarisieren
und den
Umgang
mit den
PCs vor
Ort etwas
voranzutreiben.
Eine Woche
drauf
wurde
dann auch
mein Internetanschluss
installiert,
und ich
war endlich
wieder
„zu
Hause“.
Was jetzt
noch fehlte,
war Jimmy,
den ich
aber erst
Ende August
abholen
wollte,
um gleichzeitig
den 70.
Geburtstag
meiner
Mutter
am 30.
August
feiern
zu können.
Am Wochenende
bevor
ich nach
Deutschland
fliegen
wollte,
um Jimmy
abzuholen,
sollte
es dann
noch mal
richtig
spannend
werden.
Ein Kollege
war Samstag
morgens
zu mir
gekommen,
um mir
dabei
zu helfen,
die Wohnung
„katzensicher“
zu machen.
Während
er auf
der Leiter
stand
und ich
ihm die
Werkzeuge
reichte,
hatten
wir wegen
des schönen
Wetters
die Gartentür
offen
stehen.
Auf einmal
rannte
ein kleiner
schwarzer
Blitz
durch
diese
Tür
und zielstrebig
in Schlafzimmer.
Vor Schreck
ließ
ich fast
den Hammer
fallen
und folgte
ins Schlafzimmer,
um nachzusehen,
wer oder
was da
eingedrungen
war. Unter
meinem
Nachttisch
hockte
eine verängstigte
Dackelmischlingshündin
und sah
mich aus
dunkelbraunen
Augen
an. Zusammen
mit meinem
Kollegen
bewegte
ich sie
dazu,
unter
dem Nachttisch
hervor
zu kommen
und vor
Angst
setzte
sie erst
mal einen
See dorthin.
Ich trug
sie auf
die Straße,
in der
Hoffnung
da draußen
würde
jemand
nach ihr
suchen,
sie trug
ein Halsband
und war
offensichtlich
an Menschen
gewöhnt.
Aber niemand
war auf
der Suche
nach ihr.
Mein Kollege
holte
einen
Strick
und nutzte
ihn als
notdürftige
Leine,
lief dann
mit ihr
die Straßen
rauf und
runter,
weil er
hoffte,
dass sie
den Weg
nach Hause
selbst
wieder
fände,
aber auch
das funktionierte
nicht,
und als
er mit
ihr wieder
bei mir
auftauchte,
kam sie
so selbstverständlich
„nach
Hause“,
als habe
sie nie
woanders
gewohnt.
Nachmittags
kam eine
Kollegin
und unser
eigentlicher
Plan,
einkaufen
zu fahren,
wurde
über
den (Hunde-)Haufen
geworfen.
Stattdessen
fuhr sie
mit mir
zu einem
Tierarzt,
in der
Hoffnung,
dort würde
man sich
vielleicht
um meinen
überaschenden
Familienzuwachs
kümmern
oder eine
Adresse
wissen,
wo man
sie abgeben
könnte.
Aber leider
war die
einzige
Auskunft
dort,
dass man
sie in
ein Tierheim
geben
könnte,
wo jedoch
nach zwei
Tagen
bereits
alle Tiere
eingeschläfert
wurden,
die nicht
von ihren
Besitzern
abgeholt
worden
wären.
Dazu war
ich natürlich
auch nicht
bereit.
Ich hinterließ
meine
Telefonnummer
und bat
die englisch
sprechende
Tierärztin
noch,
mir einen
Zettel
zu schreiben,
auf dem
„Hund
zugelaufen“
und meine
Adresse
und Telefonnummer
stand.
Dann fuhren
wir wieder
zurück,
machten
ein Foto
von „Nica“,
wie ich
sie mittlerweile
getauft
hatte,
und gingen
los, um
Kopien
von den
Postern
zu machen,
in der
Hoffnung,
den richtigen
Besitzer
zu finden.
Wir wanderten
fast 6
Stunden
die Umgebung
ab, klebten
Poster
überall,
klingelten
sogar
an Haustüren,
weil Nica
die Angewohnheit
hatte,
zielstrebig
in offene
Türen
zu rennen
und wir
anfangs
immer
noch die
Hoffnung
hatten,
dass sie
vielleicht
da wohnte.
Aber alle
Leute,
bei denen
wir fragten,
kannten
sie nicht.
Abends
war sie
natürlich
immer
noch bei
mir und
ich fing
an mir
Sorgen
zu machen,
was ich
mit ihr
machen
sollte.
Nicht
nur, dass
ich am
Samstag
darauf
nach Deutschland
fliegen
würde,
sondern
auch,
dass ich
anschließend
mit Jimmy
wieder
zurück
kommen
würde,
der sicherlich
nicht
glücklich
über
die Tatsache
sein würde,
plötzlich
sein Reich
mit einem
Hund zu
teilen.
Nica war
offensichtlich
ein Familienhund,
denn die
Nacht
verbrachte
sie wie
selbstverständlich
in meinem
Bett.
Ich hatte
kein allzu
großes
Bedürfnis,
mich auf
Kosten
meines
Schönheitsschlafes
an der
Hundeerziehung
zu versuchen,
und ließ
es zu.
Nica hing
an mir,
wie eine
Klette,
wo ich
war, war
auch sie.
Sonntags
klebten
wir noch
mehr Plakate,
aber meine
Hoffnung,
jemals
die richtigen
Besitzer
zu finden,
wurde
immer
geringer.
Am Montag
nahm ich
sie mit
ins Büro,
in der
Hoffnung,
es würde
sich hier
jemand
finden,
dessen
Herz sie
erweichen
könnte
und der
sie spontan
adoptieren
würde.
Ausgerechnet
an diesem
Tag musste
ich auch
noch im
Vorzimmer
vertreten,
doch der
hiesige
Botschafter
ist ein
sehr netter
und verständnisvoller
Mensch,
der mir
erlaubte,
mit Nica
in meinem
eigenen
Büro
zu bleiben
und nicht
ins Vorzimmer
umziehen
zu müssen.
Nica war
sehr ängstlich,
wenn ich
sie allein
ließ.
Sobald
ich aus
dem Büro
ging und
sie am
Schreibtisch
angeleint
dort bleiben
musste,
fing sie
an zu
junken
und bellen.
Es war
alles
in allem
sehr nervenaufreibend,
für
uns beide.
Reiner,
der Kollege,
der auch
am Samstag
dabei
war, als
Nica „mich
adoptierte“,
erzählte
mir dann,
dass eine
Bekannte
von ihm
Nica gerne
kennen
lernen
wollte.
Die Leute
hätten
sich eh
überlegt,
einen
Hund anzuschaffen
und wir
könnten
Abends
mit ihm
fahren,
um die
Leute
kennen
zu lernen.
Ich betete,
dass sie
sich auf
den ersten
Blick
in Nica
verlieben
würden
und so
fuhren
wir abends
also mit
zu Reiner.
Wir hatten
Glück,
Nica und
ihre neue
Familie
fanden
zusammen.
Allerdings
musste
ich sie
noch bis
einschließlich
Mittwoch
bei mir
behalten,
da sie
vorher
noch keine
Zeit hatten.
Nica ging
jeden
Morgen
mit zur
Arbeit,
morgens,
mittags
und abends
gingen
wir Gassi
und Nica
war der
festen
Ansicht,
dies bliebe
nun ewig
so. Allerdings
glaube
ich nicht,
dass meine
Kollegen
sich das
noch lange
angesehen
hätten,
denn Nica
wurde
langsam
besitzergreifend,
was mein
Büro
anging.
Jeder
der rein
kam, wurde
erst mal
angeknurrt.
Als ich
sie dann
am Mittwoch
ihren
neuen
Besitzern
übergeben
konnte,
war ich
trotz
aller
Freude
über
den guten
Ausgang
sehr traurig.
In so
kurzer
Zeit war
sie mir
ans Herz
gewachsen,
aber ich
hatte
auch gelernt,
dass ich
überhaupt
nicht
für
einen
Hund geeignet
bin. Die
ruhige,
entspannende
Art einer
Katze
liegt
mir deutlich
mehr als
die hektische
und laute
Art eines
Hundes.
Im wortwörtlich
letzten
Moment
wusch
ich die
Bettwäsche
und ging
mit Febreze
gegen
den Hundegeruch
in der
Wohnung
los, um
Jimmys
Einzug
nicht
durch
fremde
Gerüche
zu beeinflussen.
Am Samstag
flog ich
dann nach
Deutschland,
um meinen
eigentlichen
Mitbewohner
abzuholen.

Wie es
uns auf
der Reise
nach Litauen
erging
und wie
er seinen
Einzug
in die
neue Wohnung
überstand,
könnt
Ihr auf
seiner
Webseite
nachlesen.
Mittlerweile
sind wir
seit fast
zwei Monaten
gemeinsam
hier und
Jimmy
hat sein
Reich
voll und
ganz akzeptiert.
In den
Garten
kann er
leider
nicht,
ich habe
zwar vor,
einen
Auslauf
im Garten
bauen
zu lassen,
aber irgendwie
gestaltet
sich das
schwieriger
als gedacht.
Aber ich
bleibe
dran und
versuche
weiterhin
jemanden
zu finden,
der so
etwas
für
uns bauen
kann.
Es ist
schade,
dass das
in diesem
Jahr noch
nicht
geklappt
hat, denn
wir hatten
einen
wirklich
goldenen
Herbst.
So schön
klischeehaft,
dass man
es kaum
glauben
wollte.
Blauer
Himmel,
milde
Temperaturen,
und eine
bunte
Blätterpracht
vor blauem
Himmel,
die den
Indian
Summer
fast in
den Schatten
stellte.
Natürlich
heißt
es wieder
mal, dass
das so
gar nicht
normal
ist, aber
daran
bin ich
ja gewöhnt.
Als ich
in Peking
ankam,
war der
heißeste
Sommer
seit soundsoviel
Jahren,
in New
York war
der Herbst
auch so
heiß
wie noch
nie zuvor
als ich
ankam
und hier
ist es
halt der
lange
und schöne
Herbst,
der so
ganz unnormal
ist für
diese
Jahreszeit…
Mir ist
es egal
und ich
genieße
das Wetter.
Die anfängliche
Angst,
dass in
diesem
Land außer
klassischer
und Jazz
Musik
nichts
geboten
sei, hat
sich letztendlich
auch zerschlagen.
(Bei jedem
Gespräch
mit Leuten,
die schon
mal hier
waren,
wurden
immer
die „wundervollen
Konzerte“
in diesen
beiden
Musikrichtungen
erwähnt,
und da
ich weder
für
das eine
noch für
das andere
zu haben
bin, hatte
ich schon
meine
Bedenken…)
Am vergangenen
Samstag
war ich
mit einigen
Kolleginnen
in einem
Phil Collins
Konzert
und es
war wirklich
genial.
Auch auf
diesem
Gebiet
hat Litauen
also mehr
zu bieten,
als man
anfangs
dachte.
Alles
in allem
entpuppt
sich dieser
Posten
als Schnäppchen,
aus dem
man mehr
machen
kann als
es zu
Beginn
schien.
Und nachdem
ich acht
Jahre
lang in
Betonwüsten
gelebt
habe,
ist es
auch mal
schön,
so ein
bisschen
Landleben
zu schnuppern,
schließlich
hatte
ich soviel
Grün
schon
lange
nicht
mehr vor
der Haustür!
:-)
Wilna,
29.10.2005
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