|
Meine kleinen Eigenheiten
Jeder hat sie, aber niemand spricht gern
drüber. Die kleinen Eigenheiten, die die Persönlichkeit
ausmachen, die anzeigen, daß man "man selbst" ist
und nicht "irgendwer". Ich persönlich stehe zu meinen
Eigenheiten und bin auch gerne bereit, Euch ein bißchen darüber
zu erzählen.
Meine auffallendste Eigenschaft ist wohl
meine Redefreudigkeit. Manch einer, der sich schon mal um mich gekümmert
hat wenn Mona nicht da war, hatte anfangs Angst, mir fehlte etwas,
wenn er mein nahezu ständiges Miauen hörte. Aber Tatsache
ist, ich bin eben einfach sehr mitteilungsfreudig und habe immer
was zu erzählen. Es hat schon nachgelassen, zu Monas Erleichterung,
denn als Baby habe ich nicht mal auf dem Katzenklo den Schnabel
gehalten. Aber immer noch gehöre ich zu den erzählfreudigsten
Katzen in der Umgebung und wenn Mona abends von der Arbeit heim
kommt, weiß ich immer ganze Bücher zu maunzen, was ich
alles erlebt habe. Und wenn wir schmusen, dann kann ich einfach
nicht anders, als laut mein Wohlwollen rauszumiauen. Schnurren reicht
da einfach nicht aus, um meine Gefühle auszudrücken.
Eine weitere meiner Eigenschaften, die
fälschlicherweise immer als "Monas gute Katzenerziehung"
interpretiert wird, ist meine totale Ignoranz allem Eßbaren
gegenüber, das kein Whiskas Katzenfutter ist. Ob Mona gerade
Fleisch gekauft hat und das offen in der Küche rumliegen hat
oder ob sie am Tisch sitzt und sich den Bauch vollschlägt,
ich bin daran nie interessiert und lasse es einfach links liegen.
Betteln am Tisch? Wozu, wenn es nicht schmeckt? Klauen in der Küche?
Warum, wenn ich später nichts damit anzufangen weiß?
Fressen ist ohnehin nicht gerade eine
meiner Lieblingsbeschäftigungen. Es muß halt sein, mehr
aber auch nicht. Wie gesagt, Whiskas Katzenfutter ist okay, man
wird satt davon. Am besten schmeckt mir noch immer Trockenfutter,
aber Naßfutter mit viel Soße kann mir gestohlen bleiben!
Vor kurzem haben wir "Buchstabensuppe" von Felix entdeckt,
Mona nennt das jedenfalls so. Lauter Felix-Buchstaben, die man über
das Naßfutter streut. Die sind klasse! Und diese Käsedinger
von Whiskas, die schmecken auch sehr gut. Aber die Gefahr, fett
zu werden, besteht für mich wohl kaum, denn wie gesagt, weniger
ist manchmal mehr.
Wo wir gerade von Nahrungsmitteln reden:
Eine Allergie habe ich auch und zwar gegen alles, was irgendwie
von Nüssen und ähnlichem abstammt. Wenn ich daran rieche,
zieht sich mein Hals zu und ich bekomme keine Luft mehr. Ich reiße
dann den Mund weit auf und würge kurz, manchmal so stark, daß
ich laute Würgegeräusche dabei von mir gebe. Es geht nicht
soweit, daß ich mich wirklich übergebe, aber es sieht
wohl immer danach aus, denn Mona springt dann immer etwas panisch
zurück, je nachdem, wo ich gerade stehe...
Eine Angewohnheit, die Mona ein wenig
nervend empfindet, ist mein lautes Schmatzen, wenn ich fresse. Aber
man muss ja schließlich alles gut durchkauen, damit es später
bei der Verdauung nicht hapert. :-)
Spielen, das mache ich für mein
Leben gern. Je wilder, je lieber! Am liebsten mit einer Angel, an
deren Ende Federn hängen, oder mit Bällen und Fellmäusen,
die Mona durch die Wohnung wirft und ich sie dann verfolgen kann.
Ein hervorragendes Spielzeug sind auch Plastiktüten, die Mona
aufschneidet, so daß ich mich nicht drin verheddern kann.
Sie knistern so herrlich und ich könnte stundenlang daran rumlutschen
und mit ihnen knistern und drauf springen und mich reinwerfen und
und und...
In letzter Zeit mache ich auch gerne
das Glühwürmchenspiel, obwohl ich noch nicht so recht
weiß, was ich da eigentlich jage. Mona muß anwesend
sein, das habe ich schon kapiert, aber sie ist nicht direkt mit
dem Spielobjekt "verbunden". Ich habe mir schonmal überlegt,
ob sie vielleicht von Glühwürmchen abstammt. Ich habe
nämlich mal gehört, daß Glühwürmchen kleine
Lichter erzeugen und die dann immer hin und her flackern. Und genau
das ist es, was Mona offensichtlich tut! Also ist sie demnach ein
Glühwürmchen?
Einer meiner Lieblingsplätze in
der Wohnung ist MEINE Badewanne! Jeder, den ich als Freund akzeptiere,
bekommt sie erstmal vorgestellt und wenn es nicht nur ein Freund,
sondern auch ein potentieller "Dosenöffner" ist,
dann wird ihm gleich klar gemacht, daß ich hier und nur hier
gebürstet werden will. Man knie vor mir nieder und bürste
mir den Pelz! Und das bitte mindestens einmal am Tag, besser noch:
zweimal!
Streicheleinheiten sind mir nicht sehr
wichtig. Ab und zu ist es ganz schön, sich auf den Boden zu
schmeißen und die Unterseite zu präsentieren, um sich
richtig rubbeln zu lassen, aber lange Schmusestunden auf dem Schoß?
Oder im Bett schlafen? Nö, nicht mein Fall. Ich suche zwar
die Nähe von Mona, wer ist schon gern allein? Aber immer mit
der nötigen Distanz für die freie Entfaltung der eigenen
Persönlichkeit, bitte!
New York,
Mai 2003
|