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| "Terry" |
Ich habe bislang immer
versucht, in dem Land, in dem ich gerade lebe eine Tierschutzorganisation
zu unterstützen. In Litauen hat es mich einige Zeit gekostet,
bis ich endlich etwas fand, von dem ich überzeugt bin.
Obwohl Litauen seit 2005
zur Europäischen Gemeinschaft gehört, sind Tiere und
ihre Rechte hier noch kein großes Thema in den Köpfen
der Menschen. Als mir kurz nach meinem Eintreffen hier 2005 ein
Dackelmischling zulief, war die Auskunft, die ich vom Tierarzt
erhielt niederschmetternd: Es gibt keine Tierheime, die sich für
die Weitervermittlung von notleidenden Tieren einsetzen; wird
ein Tier nach drei Tagen nicht vom Besitzer abgeholt, wird es
getötet. Unabhängig davon, ob es krank oder gesund ist,
alt oder jung, schwer oder eventuell leicht vermittelbar.
Ich hatte damals Glück
und fand mit Hilfe eines Kollegen eine liebe Familie, die sich
"Nica", wie ich sie damals getauft hatte, annahm und
ihr ein gutes Zuhause bot. Ein glücklicher Zufall, auf den
man nicht jedes Mal hoffen kann, wenn ein Tier in Not gerät.
Auf den Straßen
Wilnas leben zahlreiche herrenlose Katzen, die sich unkontrolliert
vermehren und besonders in den strengen und schneereichen Wintern
einen harten Überlebenskampf führen müssen. Sie
suchen in den Mülltonnen dicht an den Straßen nach
Nahrung und werden von den Menschen hier so gut wie gar nicht
wahrgenommen.
Ich fing an, die zahlreichen
Katzen, die in meinem Garten ein und aus gingen zu füttern.
Ich weiß, dass dies eigentlich etwas ist, was man nicht
tun sollte, da die Tiere sich bei ausreichender Nahrung noch mehr
vermehren und somit der Kampf immer schwieriger wird. Aber ich
kann und konnte mir das Elend nicht ansehen, zumal mein erster
Winter hier auch noch mit extremen Temperaturen von bis zu -27°C
das ganze noch viel schlimmer machte. Außerdem kann meine
kleine Futterspende nur ein Tropfen auf den heißen Stein
sein, denn ein gutes Leben führen die Tiere auch so noch
nicht.
Die Katzen, die zu mir
kommen, um sich eine Ration Trockenfutter abzuholen, wechseln
ständig. Manche bleiben ein paar Wochen oder Monate, einige
sehe ich nur ab und zu, andere scheinen in meinem Garten einzuziehen.
Seltsamerweise werden es aber nie mehr als maximal 3 Katzen, die
regelmäßig vor Jimmys Gartenauslauf auf mich warten.
Ich stelle das Futter auch nur dann raus, wenn ich die Tiere sehe
und kenne, außerdem füttere ich nur Katzen, keine Kater,
da diese oft mit Jimmy in Streit geraten und ich sie nicht näher
als nötig an sein Gehege locken will. Natürlich tun
mir auch die Kater mehr als nur leid, aber Jimmys Wohlergehen
steht natürlich immer noch ganz oben an erster Stelle für
mich.
2007 brachte dann eine
Katzenmutter - wie eigentlich jedes Jahr - im Frühjahr/Frühsommer
ihre drei Jungen mit und hielt mit ihnen zusammen sich einige
Zeit in meinem Garten auf. Zwei der Babies zogen, wie es auch
im Jahr zuvor schon ihre älteren Geschwister getan hatten,
irgendwann weiter und ich sehe sie nur ab und zu noch in den Mülltonnen
herumspringen.
Aber eines der Babies
hatte sich wohl definitiv in den Kopf gesetzt, nicht zur Straßenkatze
geboren zu sein. Sie blieb hartnäckig, miaute mich mit großen,
traurigen Augen an und versuchte krampfhaft, näher an mich
ranzukommen. Ich versuchte eine ganze Zeit lang, sie auf Abstand
zu halten, erstens weil Jimmy ausgesprochen eifersüchtig
auf meine Futtergäste reagiert und zweitens, weil ich sie
nicht noch ermuntern wollte, an eine Chance zu glauben, irgendwann
bei mir einziehen zu können.
Wenn sie von außen
auf der Fensterbank hockte und zu uns herein starrte, brach es
mir regelmäßig das Herz. Dann endlich, "Terry"
wie ich die kleine "Terroristin" genannt hatte, war
jetzt ca. 12 Wochen alt, wurde ich auf eine private Tierschutzorganisation
aufmerksam, von denen mir eine Kollegin ein Prospekt in die Hand
drückte: Pifas.
Die Mitglieder arbeiten alle ehrenamtlich in ihrer Freizeit daran,
für Litauens Tiere in Not bessere Verhältnisse zu schaffen,
die Menschen zu erziehen, in Tieren mehr zu sehen als nur ein
Schmuck- oder Möbelstück, das lästig wird.
Ich kontaktierte Pifas
mit Hilfe einer litauischen Kollegin und hatte Erfolg: Inga, eine
der freiwilligen Mitarbeiterinnen, war bereit, für Terry
ein Zuhause zu finden und sie übergangsweise auch bei sich
aufzunehmen. Von dem Moment ihrer Zusage fing ich an, Terry nicht
nur zu füttern, sondern sie auch an menschliche Berührungen
zu gewöhnen. Ich begann damit, ihr das Futter nur noch aus
der Hand zu geben. Nach nur drei Tagen fraß sie aus der
Hand, als hätte sie nie etwas anderes getan. Eine Woche später
saß sie schon auf meinem Schoß, ließ sich hochheben
und anfassen und setzte sich in Jimmys alte Transportkiste, die
ich draußen aufgestellt hatte, um sie daran zu gewöhnen.
Die Kleine schien genau zu wissen, worum es ging und lernte rasend
schnell, und machte bei allem brav mit.
Nach ca. 3 Wochen rief
ich wieder bei Inga an, Terry war soweit! Länger wollte ich
nicht warten, mittlerweile wurde es Herbst, das Wetter wurde schlechter
und die Temperaturen wurden merklich kühler. Das war nicht
nur für Terry, die ja weiterhin draußen wohnte, unangenehm,
sondern auch für mich, denn ich saß mitunter stundenlang
im Nieselregen bei ihr draußen im Garten und fror wie ein
Schneider.
Ich vereinbarte ein Treffen
mit Inga an einem Supermarkt in der Nähe, wo an dem gleichen
Tag eine Informationsveranstaltung von pifas stattfand. Terry
in ihren Transportkorb zu locken, war kein Problem, sie war ja
schon daran gewöhnt, ich hatte sogar schon mit ihr trainiert,
die Tür des Korbs zu schließen. Als ich sie in ihren
Korb sperrte und hochnahm, jammerte sie nur ganz kurz auf und
blieb dann still sitzen.
Vor der Übergabe
ging ich mit ihr noch zum Tierarzt. Hier zeigte sie zum ersten
Mal die Zähne, sie geriet in Panik, sprang gegen die Fensterscheiben
(das arme Ding hatte ja keine Ahnung, was Glasfenster sind, sie
wollte fliehen und weglaufen und schlug mit dem Kopf gegen die
Fenster!) und biss in ihrer Panik der Ärztin kräftig
in die Hand. Gottseidank ist die Tierärztin eine wirklich
tierliebe und geduldige Frau, die sich mit keinem Wort beschwerte.
Ich hatte schon öfter mit ihr darüber gesprochen, dass
es schade ist, dass in Litauen kein vernünftiger Tierschutz
bestünde und sie war froh, dass wenigstens Terry geholfen
wurde. Terry jedenfalls war kerngesund und benötigte nur
eine ordentliche Wurmkur, um für ihr großes Abenteuer
gerüstet zu werden.
Inga von pifas war unterdessen
auch nicht untätig gewesen und hatte es tatsächlich
geschafft, für Terry bereits eine neue Familie zu finden.
Sie wurde noch am selben Tag an ihre neuen Menschen weitergegeben
und zog dort bei einer Familie mit Kindern und einer Pudeldame
ein. Sie lernte genauso schnell die Katzentoilette zu benutzen,
wie sie alles andere gelernt hatte und soweit ich weiß,
geht es ihr bis zum heutigen Tage hervorragend.
Selbstverständlich
habe ich meine diesjährige Spendenaktion dann auch Pifas
zugute kommen lassen. Sie wollen auf lange Sicht ein Tierheim
gründen, in dem nicht sofort getötet wird und machen
weiter mit ihren Aufklärungsaktionen in Schulen und auf Veranstaltungen.
Zur Zeit wohnt in meinem
Garten wieder ein Notfall: Ein schwarzer Perserkater (oder Katze,
so sicher bin ich mir da nicht), der bis vor kurzem noch in einer
Wohnung bei mir gegenüber als Hauskatze lebte. Die Leute
sind weggezogen und haben ihn nicht mitgenommen - etwas, das hier
leider an der Tagesordnung ist. Ich hoffe, auch ihn vermitteln
zu können und habe bereits Mailaktionen gestartet auf der
Suche nach potentiellen neuen Besitzern. Es hat sich auch schon
jemand gemeldet, aber noch ist die Entscheidung nicht gefallen.
Pifas hat derzeit keinen Platz, um ihn irgendwo unterzubringen
und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als im Garten zu
wohnen und zu hoffen, dass sich noch ein Platz für ihn findet.
Bitte drückt alle die Daumen, dass dies ganz bald der Fall
sein wird!
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| "Blacky" aka Teddy |
Update am
05.02.2008: "Blacky"
wurde heute von seiner neuen Familie adoptiert! Er ging völlig
kampflos in seinen Transportkorb und wird nun von seiner neuen
Familie zusammen mit 2 weiteren Katzen und einem Hund in einem
gemütlichen und warmen Zuhause umsorgt. An dieser Stelle
ein herzliches Dankeschön an seine neuen Besitzer und allen
sechsen ein wunderschönes gemeinsames Leben!
Update
am 08.02.2008: "Blacky" heißt jetzt Teddy.
Beim Tierarzt wurde festgestellt, dass er ein älterer kastrierter
Herr ist, der an einer Kehlkopfentzündung leidet. Außerdem
sind seine Ohren sehr verletzt, etwas, das er sich wohl bei Kämpfen
mit anderen "echten" Katern auf der Straße zugezogen
hat. Irgendwann wird er an den Ohren wohl operiert werden müssen,
da sie so stark eingerissen sind, dass sie von selbst nicht mehr
heilen können. Zuerst muss aber seine Kehlkopfentzündung,
wahrscheinlich Folge einer verschleppten Erkältung, mit Hilfe
von Antibiotika auskuriert werden. Mit seinen Mitbewohnern versteht
er sich schon ganz gut. Besonders mit dem Hund der Familie kuschelt
er bereits und die beiden helfen sich bei der gegenseitigen Fellpflege.
Die beiden Katzen der Familie lassen ihn vorwiegend in Ruhe und
da er eine gute Rückzugsmöglichkeiten im beheizbaren
Wohnkeller hat, kommt man sich auch nicht in die Quere. Von seinen
Zweibeinern lässt er sich beliebig lange verwöhnen und
beschmusen. Seine Aussichten auf ein glückliches und gesundes
Leben sind also groß. Er kann seine Rente in Frieden und
bei einer liebevollen Familie genießen.
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