| Kapitel 1 - Philip
Dies ist die wahre Geschichte des wundervollsten
Hundes, den ich je gekannt habe. Ja, ich gebe zu ich bin voreingenommen,
denn ich liebe sie innig, aber ich stehe mit meiner Meinung nicht
alleine da. Nahezu jeder, der sie je getroffen hat, beschreibt sie
als einmalig und ich bekomme immer wieder gesagt, daß man
noch niemals zuvor einen Hund wie sie gesehen habe. Über diesen
Hund wurde viel geschrieben und gesprochen, ein Teil ihrer Geschichte
wurde in einem Artikel im "Good Housekeeping Magazine"
veröffentlicht, aber es gibt immer noch eine Menge mehr zu
erzählen. Dieser kleine Hund hat die Leben so vieler Menschen
und Tiere nachhaltig zum besseren verändert, angefangen mit
meinem, insbesondere meinem.
Dies ist die wahre Geschichte meines
Hundes, ihr Name ist Ginny.
Mein Name ist Philip Gonzalez. Ich wurde
1950 in Mayaguez, Puerto Rico, geboren. Als ich sieben Monate alt
war, wanderte meine Familie mit mir in die Vereinigten Staaten von
Amerika aus. Meine Familie, bestehend aus meinen fünf Geschwistern,
mir und meinen Eltern, stand sich immer sehr nahe.
Schon als Kind war ich sehr tierlieb.
Aber ich hatte nie übermäßig viel Kontakt zu Tieren
und um es genau zu nehmen, habe ich Katzen nie sonderlich gemocht.
Ich denke, ich habe all die erfundenen Geschichten über sie
geglaubt, nach denen Katzen untreu, unnahbar und nicht sehr anhänglich
sind. Menschen können wirklich dumm sein bei Dingen, die sie
nicht verstehen. Ignoranz führt oft zu Angst und Haß,
wie ich im späteren Leben noch herausfinden sollte.
Ich hatte eine glückliche Kindheit
und mit 19 Jahren trat ich der US Armee bei. Ich diente in Vietnam,
doch über diese Zeit in meinem Leben spreche ich nicht gerne.
Es war eine finstere Zeit, die ich lieber vergessen möchte.
Hunde habe ich immer gemocht und als ich aus Vietnam zurückkehrte,
schaffte ich mir einen Hund an, einen kleinen Mischling namens Montoose.
Ich hatte mir nicht direkt vorgenommen, einen Hund anzuschaffen,
aber als ich eines Morgens am Strand entlang spazierte, entdeckte
ich zwei Jugendliche mit einem Welpen. Ich fragte sie, was sie mit
dem Tier vorhätten und sie antworteten, ihre Mutter habe ihnen
nicht erlaubt, das Tier zu behalten, darum würden sie es nun
ins Meer werfen und ertränken. Ich konnte den Gedanken des
Mordes an der kleinen Kreatur nicht ertragen und ließ mir
den Welpen geben, um mich um ihn zu kümmern. Nur wenige Jahre
später wurde er von einem LKW überfahren. Ich war völlig
am Ende und wollte nach seinem Tod keinen anderen Hund mehr. Es
war besser, sich nicht an ein Tier zu binden, dessen Verlust einem
soviel Schmerz bereitet.
Ich hatte immer großen Respekt
vor allem Leben. Als ich einmal beobachtete, wie ein Mann eine viel
zu junge Taube in die Luft warf, um sie zum Fliegen zu zwingen und
diese im Meer landete, wo sie verzweifelt mit den Flügeln schlug,
sagte ich zu ihm, er könne die Taube nicht einfach dort lassen,
sie würde ertrinken. "Na und?", antwortete der Mann,
"Ich werde meine Füße nicht für so eine dumme
Taube nass machen!" "Na gut,", sagte ich, "dann
tu ich es.", und zog meine Schuhe aus. Das beschämte den
Kerl und er watete selbst ins Wasser und brachte die Taube an Land.
Ich habe es immer gehaßt zu sehen, wenn eine lebende Kreatur
verletzt wurde, besonders durch Menschen, die es hätten besser
wissen müssen.
Vor ein paar Jahren hatte ich einen schweren
Arbeitsunfall, der mich beinahe meinen rechten Arm gekostet hätte.
Obwohl man den Arm retten konnte, kann ich ihn nur sehr eingeschränkt
benutzen. Außerdem habe ich bei dem Unfall Kopfverletzungen
erlitten, so daß ich nach dem Krankenhausaufenthalt 100 Prozent
behindert war. Ich konnte kaum gehen und mußte viele Medikamente
nehmen. Durch die Kopfverletzung litt ich ständig unter starken
Kopfschmerzen und war alles in allem nur noch ein Schatten meiner
selbst. Für mich schien das Leben vorüber zu sein.
In kürzester Zeit verfiel ich in
tiefe Depressionen und zog mich immer mehr in mich selbst zurück.
Ich war immer körperlich aktiv gewesen, liebte Sport über
alles, doch nun mußte ich der bitteren Wahrheit ins Gesicht
sehen: Ich konnte nicht länger das Leben von früher führen.
Ich fühlte mich eingeschränkt durch meine Behinderung,
eingesperrt durch das Fehlen von Geld und meine Freunde blieben
nach und nach weg. Sie waren jung, hatten ihr eigenes Leben zu leben
und sie hatten einfach nicht die Zeit, über meine Misere nachzudenken.
Doch am allerschwersten fiel mir die Tatsache, daß ich keine
Arbeit hatte. Ich war immer stolz auf meine Arbeit gewesen, aber
die Vorstellung, nun einen Bürojob machen zu müssen, schreckte
mich ab. Nein, das war nichts für mich! Ich hörte auf,
aus dem Haus zu gehen, wie so viele depressive Menschen es tun.
Anfangs besuchte mich meine Familie noch, aber ich wies sie alle
ab, beschämt und verbittert, weil ich so offensichtlich hilflos
geworden war. Und so hatte ich letztendlich keine Freunde mehr übrig.
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| Philip Gonzalez mit Ginny |
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